Neu im Kino: Carl Maria von Webers romantische Oper „Der Freischütz“ als Film

Agathe und der wilde Max

Träumerisch-romantische Stimmung: Agathe (Juliane Banse). Foto:  nh

Opernverfilmungen sind ein selten gepflegtes Genre. Kaum jemand wagt sich daran, eine ganze Oper mit der Originalmusik als Film zu inszenieren. Nun versucht sich mit Jens Neubert ein deutscher Theater- und Filmmacher, der 1999 und 2000 auch am Kasseler Staatstheater gearbeitet hat, an der deutschesten aller Opern, an Carl Maria von Webers „Freischütz“.

Wald und Schlucht, Herrschaft und Volk, was eignet sich besser für einen Film als diese romantische Oper schlechthin? Und in der Tat scheut der Regisseur keine Mühe, die Sache üppig auszustatten. Historisch und geografisch genau verortet läuft das Geschehen ab: Es ist die Zeit der napoleonischen Kriege in Sachsen. Die Jäger Max und Kaspar kämpfen darin gemeinsam - und sie kämpfen gegeneinander um die Liebe zu Agathe. In der Wolfsschlucht will Max mit magischer Hilfe treffsichere Kugeln gießen.

Spektakuläre Bilder, besonders aus dem Elbsandsteingebirge entrollen sich da. Auch im Detail stimmt optisch alles: prächtige Kostüme, feinste Requisiten, subtile Ausleuchtung, grobes Bauernleben, auch sonst Derbheiten aller Art. Anfangs fällt es nicht leicht, sich an die unterschiedlichen Zeitmaße in Film und Oper zu gewöhnen. Das Musiktheater bremst ständig die Möglichkeiten des modernen Films, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran und öffnet das Ohr für die Musik, wenn sie denn im Kinosaal günstig ausgesteuert ist.

Erste musikalische Qualität

Das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Harding und der Rundfunkchor Berlin unter Simon Halsey bieten allererste Qualität, ebenso die schauspielernden Sänger: Michael König als wilder Max, Juliane Banse als zerrissene Agathe, Michael Volle als Bösewicht Caspar, Franz Grundheber als Fürst, Benno Schollum als Cuno, René Pape als Eremit, Olaf Bär als Kilian und die darstellerisch allen anderen überlegene, herrlich rein singende Regula Mühlemann als Ännchen.

Opernfreunden kann der Film empfohlen werden, solche, die es werden wollen, sollten erst einmal ins Kasseler Staatstheater oder in ein anderes Opernhaus gehen.

Genre: Musikfilm

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Johannes Mundry

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