Die Fantastischen Vier bringen den Hessentag in Bewegung

Agile Rap-Rentner

Machen notfalls auch zu dritt weiter: Die Rapper Smudo (von links), Thomas D und Michi Beck in Stadtallendorf. Foto: Ludwig

Stadtallendorf. Aus 250 Metern Entfernung ist alles wie früher: Vier Typen in weißen Turnschuhen springen wie junge Rehe über die Bühne und rasen durch die Zeilen ihres Sprechgesangs. Die Distanz schmeichelt den Fantastischen Vier. Denn wer sich am Samstag durch die 6000 Besucher ihres Hessentags-Konzertes in Stadtallendorf nach vorn drängelte, konnte - vielleicht auch erleichtert - feststellen: Das Alter macht auch vor berufsjugendlichen Popstars keinen Halt.

Wenn vier Herren der Generation 40 plus zu HipHop abgehen, kann dies peinlich wirken. Insofern ist es die größte Leistung des Stuttgarter Quartetts, dass dieser Eindruck nicht entstanden ist. Obwohl And.Ypsilon und Smudo in der Bauchregion inzwischen gemütlich aussehen und auch Thomas D und Michi Beck längst nicht mehr so faltenfrei lächeln wie einst - ihre Agilität ist geblieben. Und auch ihre Freude an der Selbstironie: „Wenn einer von uns umfällt, machen wir eben zu dritt weiter“, scherzen sie in Stadtallendorf.

Ihr mittlerweile achtes Album „Für Dich immer noch Fanta Sie“, das die Fantastischen Vier neben einer Zeitreise durch ihre 20-jährige Rap-Geschichte vorstellten, führt die persönlichen Leidenschaften der Musiker zusammen: Der asketische Thomas D ist für die Moral zuständig. „Immer mehr Zeug, aber weniger Zeit“, analysiert er in dem Lied „Garnichsotoll“. Smudo sorgt mit Funk und Soul („Smudo in Zukunft“) für Stil, und Disco-Liebhaber Michi Beck passt auf, dass alles tanzflächentauglich bleibt.

Das Rezept geht auf - fast. Langsam holt die Fantastischen Vier ein Problem ein, das sie zu Konzertende selbst als Zitat in ihrem Klassiker „Populär“ thematisierten. Darin heißt es: „Die alten Sachen fand ich ja ganz gut, die neuen nicht.“ Auch in Stadtallendorf war die Fan-Hysterie bei den „alten Sachen“ immer besonders groß. Das mag daran liegen, dass sich das mitgealterte Publikum so noch mal jung fühlen kann.

Smudo holte sich seine Dosis Jugend auf andere Weise: Der 120-Kilo-Mann, wie er selbst zugab, ließ sich über die Hände des Publikums tragen. Spätestens da war klar: Mit den Fantastischen Vier ist auch als 50-Jährige zu rechnen.

Von Bastian Ludwig

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