Das Ana Alcaide Trio in der Kreuzkirche

Sie eröffneten neue Klangräume: Ana Alcaide, umrahmt von Bill Cooley (links) und Rainer Seiferth. Foto: Fischer

KASSEL. Unerwartete Kombinationen ergaben sich beim Konzert der Weltmusikreihe in der Kreuzkirche. Am Sonntagabend waren es drei Klang-alchimisten, die aus verschiedenen Elementen ein neues und rundes Ganzes anrührten.

Bill Cooley, ein Amerikaner, der nicht nur die arabische Laute Oud, sondern auch das Psalterium (die Urform der Zither) und verschiedene Schlaginstrumente spielt, Rainer Seiferth, ein Franke aus Nürnberg, dessen Part die Gitarre und die griechische Bouzouki waren, und in ihrer Mitte eine Spanierin, die sang und dazu ein Musikinstrument bediente, das so gar nicht auf die iberische Halbinsel zu passen schien.

Die Nyckelharpa, das volkstümliche schwedische Streichinstrument, hat es Ana Alcaide so angetan, dass sie drei Jahre im Norden verbrachte, um es zu erlernen. Einige schwedische Volksmelodien hatten dann auch ihren Platz im Programm des Konzerts.

Dessen roter Faden aber war die sephardische Musik, also die Musik der spanischen Juden vor ihrer Vertreibung im Jahr 1492. Die geschichts-trächtige kastilische Stadt Toledo, die heutige Heimat Ana Alcaides, war der wichtigste Ort der Juden im spanischen Reich. Hier lebten sie relativ friedlich mit den spanischen Christen und den islamischen Mauren zusammen und schufen einen Ort geistiger Freiheit.

Aus den wenigen erhaltenen Quellen jener Zeit hat die spanische Musikerin Neues geschaffen, das sich durch zarte Melodien, lange Bögen und häufige Wiederholungen, die einen einlullenden Effekt haben, auszeichnet. Die Machart dieser kreativen Nachempfindungen war schnell zu erkennen. Da tat es gut, wenn neben den schwedischen Weisen auch andere Klangräume eröffnet wurden wie die Neuschöpfung einer Reise ins Morgenland, bei der die Laute eine besondere Rolle spielen durfte.

Die drei Musiker waren sehr gut aufeinander eingespielt. Wem die Stücke insgesamt zu eintönig waren, der konnte sich an der wunderschönen, unverbildeten Stimme der Spanierin freuen.

Von Johannes Mundry

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