Weltmusikfestival, zweiter Abend: Jubel für Akli D. und Les Blérots de R.A.V.E.L.

Ein algerischer Dylan und witziger Swing

Akli D.

Kassel. Zwei höchst gegensätzliche Ensembles bot der zweite Abend des Weltmusikfestivals in der wie immer gelungen zum Konzertsaal umfunktionierten Kundenhalle der Kasseler Sparkasse.

Vor vollem Hause bot Akli D. sozialkritisches Songwriting im nordafrikanischen Rai-Stil. Als Mischung aus algerischem Bob Dylan und wettergegerbtem Straßenmusiker singt Akli Dehlis mit vollmundiger Stimme von Grenzen und Ausgrenzungen. Die „Kinder von Tschetschenien“ und das Schicksal von Kindersoldaten sind Themen, die sich mit mittelmäßigen Französischkenntnissen nur ansatzweise erschließen.

Die Band garniert die Songs mit dem leicht knurrigen Bass der Gnawa-Musik und flirrenden, repetitiven Gitarrenlinien, typisch für nordafrikanische Musik. Sicher wirkt Akli D. vor einem Publikum, das die Texte mühelos versteht und nah an den Themen lebt, anders, aber er wurde mit entschiedenem Beifall aufgenommen. Der zweite Teil startete mit einer anderen Temperatur.

Zu Funky Bass und Ska-Bläsersätzen wird humorvoll „La Fin Des Haricots“ besungen. Die Les Blérots de R.A.V.E.L. punkten sofort mit ihrer Mischung aus Zirkus-Polka und Klezmer-Anleihen, begleitet von Ansagen, die sie aus einem dicken Deutsch-Wörterbuch suchen. Liebevoll, wie die in Babypause weilende Sängerin Alice Noureux als Pappkameradin und per Computer eingeflochtener Stimme bei einem Song dabei ist, aber auch schade, denn das witzig swingende „Fleur Bleue“ verkörpert am stärksten den „nouvelle chanson française“, von dem man gern mehr gehört hätte.

Chamäleonartig wechselt das Sextett die Instrumente und schafft neue Sound-Kombinationen. Die spritzige Show und das gekonnte Lichtdesign erinnern daran, dass seine Wurzeln beim Theater liegen. Während am Rand zu treibenden Rhythmen getanzt wird, fordert das Publikum Zugaben.

Von Hartmut Schmidt

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