Neue Ausstellung in Kassel

Alle Facetten von Schwarz im Sepulkralmuseum

Kassel. Schwarz ist die Farbe der Trauer. Todesanzeigen und Kranzschleifen sind schwarz gerahmt, bei Beerdigungen trägt man Schwarz. Es erstaunt also nicht, dass das Kasseler Museum für Sepulkralkultur seine Schau zum 20-jährigen Bestehen schlicht „Schwarz ...“ betitelt hat.

Um Erwartungen an ein Museum rund um Sterben und Tod, Trauern und Bestatten gerecht zu werden.

Die Farbe der Trauer ist schwarz? Längst nicht mehr. Am Ende, sobald der Besucher Räume mit schwarzen Wänden und Fenstern durchwandert hat, schweben bunte Luftballons über farbenfrohen Urnen und Designer-Sargmodellen. Konventionen lösen sich in unserer Gesellschaft mehr und mehr auf. Menschen „setzen heute alles daran, dem mörderischen Gesellen Tod ein freundlich-buntes Antlitz zu verleihen“, sagt Museumsleiter Reiner Sörries. Das Düstere des Todes wird konterkariert.

Und weil sich das Sepulkralmuseum nicht als „Friedhofsmuseum“ versteht, weil es angesichts aller Vergänglichkeit gerade für das Leben sensibilisieren will, möchte es Besucher-Erwartungen auch „frech zurückspiegeln“, wie es Sörries formuliert. Schwarz gehört eben zur Buntheit des Lebens. Deshalb hängen im Museum ein „kleines Schwarzes“ aus den 60ern, wie es Audrey Hepburn trug, Zeichnungen des großen Robert Gernhardt (Stichwort schwarzer Humor) und ein Gemälde des 92 Jahre alten Pierre Soulages, der in seinem langen Leben kaum anderes als Schwarz gemalt hat.

„Ein Potpourri von Phänomenen“, so Sörries, haben sein Stellvertreter Gerold Eppler und Kustodin Ulrike Neurath-Sippel aus der Sammlung zusammengestellt, ergänzt mit Leihgaben. Sie haben viel in die Schau gepackt: Schwarze Trauertracht, Grabkreuze und -tafeln. Exponate zum „Schwarzen Tod“. Vor einer riesigen Vergrößerung von Böcklins „Die Pest“ gibt es Wachsmodelle zu Pestpusteln und -nekrose (abgestorbenes Gewebe), die Maske eines Pestarztes mit langem Schnabel und Pestsärge, zwischen denen Ratten umherzuhuschen scheinen.

Nur ein Farbempfinden

Im Exkurs zur Physik lernen wir, dass Schwarz keine Farbe ist, sondern nur ein Farbempfinden. Thematisiert werden schwarze Tage der Geschichte und an der Börse (deren Sinnbild der schwarze Schwan ist), schwarze Magie sowie Modephänomene der Gruftie- und Gothic-Punk-Szene. Todesdarstellungen der Antike fehlen ebenso wenig wie die Faszination der Romantiker für die Nacht. Tod als ewiger Schlaf.

Bei so vielen Aspekten liegt auf der Hand, dass manches nur angerissen und gestreift werden kann. Einige Objekte stehen ausschnitthaft für Themen, aus denen sich eigene umfangreiche Sonderausstellungen entwickeln ließen. Die Bedeutung mancher Exponate und die Vielfalt der Bezüge lassen sich am besten wohl bei einer Führung erkennen.

Als Statement, Bekenntnis, sei die Jubiläumsschau gedacht, sagt Reiner Sörries. Das erschließt sich: Das Sepulkralmuseum beschäftigt sich mit vielfältigsten Aspekten des Todes, die aber immer auch mit dem Leben zu tun haben.

Service

Die Ausstellung „Schwarz ...“ ist bis 27. Januar im Museum für Sepulkralkultur, Weinbergstraße 25-27, in Kassel zu sehen. Öffnungszeiten: Di - So 10 - 17, Mittwoch 10 - 20 Uhr. Jeden Mittwoch findet um 18 Uhr eine öffentliche Führung statt.

Zum umfangreichen Begleitprogramm gehören Vorträge, Dinner-in-the-Dark-Veranstaltungen, Filmvorführungen im Zeichen des „Schwarzen Humors“ sowie ein Schwarzlicht-Theater-Workshop für Kinder.

Kontakt und Infos: Tel. 0561/91893-0, www.sepulkralmuseum.de

Von Mark-Christian von Busse

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