Alle Handys nach oben: Cro in Göttingen

Der Mann mit der Panda-Maske: Cro bei seinem umjubelten Auftritt in der Lokhalle. Foto: Kuhl

Göttingen. Freitagabend, 18.45 Uhr. 7500 Fans strömen in die ausverkaufte Lokhalle. Sie wollen Cro sehen, den Rapper mit der Pandamaske. Einige Mädchen haben vor der Halle kampiert.

Die meisten Besucher sind um die Jahrtausendwende geboren. Vertreter der Generation Z. Aufgewachsen mit Internet und Smartphone. Es werden zwar Cocktails verkauft: „Erst ab 18“, sagt aber ein Schild in fetten Buchstaben.

Dann gehen die Lichter aus. Handys nach oben. Schon über die Vorband Konvoy ist das Publikum außer sich, während Scheinwerfer sich mit kaltem Licht durch die Halle graben. Der Stil der drei Mannheimer ist dem von Cro ähnlich. Ihre Titel tragen Namen wie „Fail Compilation“ und „Flugmodus“. Sanfter HipHop für die Generation Youtube. Der Applaus ist groß.

Dann wird die Bühne von einem Tuch verhüllt. Plötzlich wellt es sich, wieder recken sich Smartphones in die Luft, die Silhouette eines Trompeters zeichnet sich ab. Dann kommt Cro. Zwei Wolken schießen in die Luft, auf fünf Bildschirmen sieht man den Rapper, der eigentlich Carlo Waibel heißt, in schnell geschnittenen Videos und dramatischen Farb-Inszenierungen.

Mit „Hi Kids“ bringt Cro das Publikum sofort auf Betriebstemperatur. Scheinwerfer beleuchten ihn in Rockstarmanier. Bei seiner Kleidung ist er Hip-Hopper: Schwarzes T-Shirt, Schlabberhose, hochgeschnittene Sneaker, Cap nach hinten. Cro weiß um seine Klientel und bezieht sie mit ein. „Ich wusste nicht, dass kleine Mädchen so laut schreien können“, sagt er, was noch mehr Hysterie hervorruft. Als er sein Lied „Bye bye“ gesungen hat – es geht um einen Jungen, der überlegt, wie er ein Mädchen ansprechen soll – macht Cro einen genialen Schachzug. „Ist jemand da, der echt gut singen kann?“, fragt er. Tausende Hände recken sich, zwei Jungs namens Jalal und Jan sollen seinen Song „Du“ singen. Jan macht das gigantisch. „Baby glaub mir, das Beste bist du“, performt er auf der Bühne wie ein alter Hase.

„Ihr habt alle Smartphones, oder?“, fragt Cro. „Macht mal alle eure Taschenlampen an.“ Mit seinem eigenen Handy filmt er die unglaubliche Szenerie. Früher gab es Feuerzeuge, aber das Rauchen ist nicht mehr ganz so cool.

Während er „Whatever“, „Rockstar“ und „Bad Chick“ singt, schießen Glitzerkanonen und Flammenwerfer ihre Ladungen in die Luft. Dann scheint alles vorbei zu sein. Das Publikum wird unruhig, vorher hat es einen Stromausfall gegeben, das Klatschen wird nervöser, Zugabe-Rufe lauter. Dann kommt Cro zurück, mit dem Lied, das die Basis seiner Karriere war: „Easy“. Einen großen Teil lässt er das Publikum singen und schiebt zwei weitere Songs nach.

25 Einsätze hatten die Sanitäter, wie Florian Olbrich vom Roten Kreuz mitteilt. Der größte Anteil: Kreislaufprobleme.

Von Jürgen von Polier

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