Die Company Leine & Roebana aus Holland gastierte beim Tanzfestival im Staatstheater

Wir alle sind animierte 3-D-Bilder

Wellenförmige Bewegungen: Szene aus „Sporen“. Foto: Socher

Kassel. Wellenförmige Bewegungen durchziehen die drei Tänzerinnen zu elektronischen Klängen, die aus allen Ecken des Raumes zu kommen scheinen. Wirken diese Bewegungen natürlich oder künstlich? Man kann es nicht entscheiden.

Was die niederländische Tanz-Company Leine & Roebana in ihrem Stück „Sporen“ - deutsch: Spuren - präsentiert, scheint in einer Zwischenwelt angesiedelt. Im fast ausverkauften Schauspielhaus, wo die Truppe beim Internationalen Tanzfestival auftrat, wurde das einstündige Programm gefeiert.

Mal weiß, mal dunkel gekleidet, agieren sieben Tänzer, vier Männer und drei Frauen, in wechselnden Episoden, mal solistisch, mal in Gruppenkonstellationen. Immer jedoch scheinen durch ihren Tanz traditionelle Figuren und Posen durch. Doch stets treten Störungen auf, die Bewegungen entgleisen, scheinen die Tänzer zu überwältigen.

Sie verausgaben sich im Tanz, die sieben Mitglieder der Company, die 1990 von dem Choreografen-Duo Andrea Leine und Harijono Roebana gegründet wurde. Gleichzeitig wirken die Akteure distanziert, seltsam ungreifbar.

Ihre Arbeit mit der Musik ist vorbildlich. Doch auch die Klänge und Rhythmen sind verfremdet: Renaissance-Musik wird verformt, ein sphärischer Gesang des Countertenors Joseph Schlesinger füllt den Raum, live gespielte Klavier-Passagen klingen wie moduliert, umgekehrt imitieren elektronische Klänge ein Perkussions-Instrumentarium.

Die Tänzer synchronisieren sich mit der Musik und immer wieder auch miteinander. Doch sie nehmen keine Beziehung zueinander auf. Es ist, als wolle uns „Sporen“ sagen, dass die Menschen im 21. Jahrhundert ihren animierten 3-D-Bildern immer ähnlicher werden.

Und es sind ernste Bilder, zu lachen gibt es nichts. Erst ganz zum Schluss erklingen ein paar Takte Country-Musik, und eine Tänzerin springt ihrem Partner auf den Arm. Ein menschlicher Augenbblick, das Publikum lacht, und das Licht geht aus.

Tanzfestival am Wochenende: Heute, 20 Uhr, Opernhaus, Tabula Rasa / Interiors, AURA Dance Theatre Kaunas, Litauen, Morgen, 18 Uhr, Opernhaus, Tanzabend II - „Catcher“

Von Werner Fritsch

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