Neu im Kino: Das bewegende Kriegsdrama „Vier Tage im Mai“

Alle sind nur erschöpft

Als Junge im Krieg eingesetzt: Peter (Pavel Wenzel) spielt eine wichtige Rolle. Foto:  dpa

Die Männer sind müde. Auf beiden Seiten. Der Krieg ist vorbei, die Kapitulation der deutschen Wehrmacht jedoch noch nicht unterschrieben. Die gewalttätige Geschichte des 20. Jahrhunderts hält den Atem an. Als die Russen am 4. Mai 1945 an der deutschen Ostseeküste ein Waisenheim nach einem kurzen Scharmützel einnehmen, bleibt ein schlecht bewaffneter Trupp von acht Rotarmisten zurück.

Ein paar Meter weiter am Strand sammelt sich eine deutlich größere Einheit abgeschlagener deutscher Soldaten, die hofft, nach Dänemark übersetzen zu können. Dem sowjetischen Hauptmann (Aleksei Guskov) ist klar, dass er im Gefecht keine Chance hätte. Der deutsche Oberstleutnant (Alexander Held) wiederum sieht keinen Sinn, seine Soldaten zu verheizen.

Nur einer will kämpfen: Der dreizehnjährige Peter (Pavel Wenzel), der seine Eltern an den Krieg verloren hat und die Frauen und Mädchen des Waisenheims gegen den Feind verteidigen möchte. Mit „4 Tage im Mai“ beweist sich Achim von Börries („Was nützt die Liebe in Gedanken“) erneut als sanfter, aber eindringlicher Kinoerzähler, der seine Geschichte über Stimmungsbilder entfaltet. Von Börries hält sich fern von naturalistischer Historienmalerei à la „Der Untergang“. Die Schrecken des zu Ende gehenden Krieges spiegeln sich hier nur in den erschöpften Gesichtern.

Über weite Strecken ist „4 Tage im Mai“, der auf realen Ereignissen beruht, als intensives Kammerspiel angelegt. Er zeigt, wie die Menschen nach einem Krieg gegen das eigene Misstrauen ankämpfend aufeinander zugehen - ein Prozess, der jäh unterbrochen wird, als andere Sieger nach vier Tagen Herrschaftsansprüche geltend machen.

Genre: Kriegsdrama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

Von Martin Schwickert

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