Rückblick 2010: Erst machte uns in diesem Pop-Jahr Lena verrückt und dann ein Graf ohne Namen

Alle waren ein bisschen gaga

Die Gesichter des Pop-Jahres: Lady Gaga (von links) ist der globale Superstar, Der Graf alias Bernd Graf von Unheilig der Aufsteiger des Jahres, Christian Durstewitz und Lena Meyer-Landrut bewiesen, dass es in Casting-Shows auch um Musik gehen kann, DJ Paul Kalkbrenner ist Deutschlands Techno-Exportschlager, und Bruce Springsteen stürmte wie viele andere Altstars noch einmal die Charts. Fotos: Picture-Alliance / nh

Für Lena Meyer-Landrut war das Jahr einfach „supi“. Die Abiturientin aus Hannover hat nicht nur den Eurovision Song Contest gewonnen, sondern auch eine neue Vokabel gesellschaftsfähig macht. Dabei war das Pop-Jahr 2010 nicht nur supi, wie unser Rückblick zeigt.

Frauen an die Macht: Lady Gaga ist die Königin des Pop. Stefani Germanotta alias Lady Gaga hat in diesem Jahr für einige Aufregung gesorgt. Bei einer MTV-Gala trat die New Yorker Sängerin in einem Fleisch-Kostüm auf und trug Stiefeletten, die aussahen wie geschnürte Rouladen. Dann biss sie bei einem Konzert einer Barbie-Puppe den Kopf ab. Die 24-Jährige versteht es, auch dann im Gespräch zu bleiben, wenn sie gar kein neues Album veröffentlicht wie in diesem Jahr. Lady Gaga ist der wichtigste Pop-Star des Planeten. Sie schafft es, mit ihrem eingängigen Dance-Pop Bezüge zu Andy Warhol und Rainer Maria Rilke herzustellen, blickt sowohl vom Cover der „Vogue“ als auch vom Titel der „Emma“ und ist der beliebteste Mensch bei Facebook. Nicht nur Lady Gaga läuft den Männern den Rang ab, auch Künstlerinnen wie Kesha, M.I.A., Rihanna, Katy Perry, Shakira und Janelle Monáe beweisen, dass der Pop derzeit weiblich ist.

Man hört wieder Deutsch: Lena und Unheilig. Die Aufsteiger des Jahres sorgten für ein Wirtschaftswunder. Deutsche Musik ist beliebt wie lange nicht mehr. Hier zu Lande ist der Marktanteil in diesem Jahr auf über 50 Prozent gestiegen. Und 30 der 100 beliebtesten Alben waren deutschsprachig.

Das erfolgreichste stammt von der Kunstfigur Der Graf und seiner Band Unheilig. Der als unbekanntester Popstar Deutschlands gefeierte Bernd Graf stellte mit dem Album „Große Freiheit“ einen Charts-Rekord auf. Sein Synthie-Rock wurde sogar auf Beerdigungen zum Hit, weil der Glatzkopf voller Pathos vom Sterben singt. Und wie Grand-Prix-Siegerin Lena macht er aus seinem Privatleben ein Tabu.

Wie gut, dass es noch den Nordhessen Christian Durstewitz gibt. Der 21-Jährige wurde Dritter in Stefan Raabs Casting Show „Unser Star für Oslo“ und erzählte, dass er seine Lieder zuhause in Altenlotheim in der Nähe des Edersees schreibt. Lena und Dursti bewiesen, dass Casting-Stars auch Persönlichkeit haben können.

Die Alten sind nicht tot zu kriegen: Bruce Springsteen und Co. Es klingt seltsam angesichts des Fiebers um einen 16 Jahre alten Kanadier. Aber während die Teenager sich für Justin Bieber die Kehle aus dem Leib schreien, wird der Pop immer älter. In den Charts ließen Routiniers wie Bruce Springsteen, Phil Collins und Peter Maffay die Konkurrenz als aussehen. Auch das Comeback von Take That mit Robbie Williams passt ins Bild, denn für eine Ex-Boyband sind die Briten fast Greise.

Und selbst zwei Tote mischten die Hitparade auf. Dabei waren die angeblich letzten unveröffentlichten Aufnahmen von Michael Jackson nur ein müder Aufguss des King of Pop. Für eine der rührendsten Geschichten des Jahres sorgte ein dicker Hawaiianer. Israel Kamakawiwo’ole schaffte es 13 Jahre nach seinem Tod mit einer Ukulele-Version von „Over The Rainbow“ an die Spitze der Charts.

Techno lebt weiter: Die Katastrophe der Loveparade. Im Nachhinein blieb nur Fassungslosigkeit - über 21 Tote, die am 24. Juli bei der Loveparade zu Tode kamen, und über eine Organisation, die hunderttausende Techno-Fans durch einen einzigen Tunnel auf ein umzäuntes Gelände schickte. Die Schuldfrage wird vielleicht nie geklärt. Die Loveparade, einst ein Festival der Liebe, ist tot.

Trotzdem ist es zu früh, Nachrufe auf den Techno zu verfassen. Die Musik lebt weiter. Zum Beispiel in den Tracks des Berliner DJs Paul Kalkbrenner. Erst spielte der 33-Jährige in Hannes Stöhrs Musik-Drama „Berlin Calling“, dann bewies er mit Konzerten wie in der Dortmunder Westfalenhalle, dass elektronische Musik weiterhin die Massen elektrisiert. Kritiker feiern Kalkbrenner schon als „Deutschlands unbekanntesten Superstar“. Das ist kein schlechter Titel, nun da Der Graf zu bekannt geworden ist.

Von Matthias Lohr

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