Alles ist eine Show: Das Musical "Kiss me, Kate“ am Staatstheater Kassel

Wunderbar: Dirk Schäfer als Fred Graham und Susan Rigvava-Dumas als Lilli Vanessi beschwören alte Zeiten. Foto: Klinger

Kassel. Die Bühne ist leer, Lampen hängen von der Decke. Ein älterer Mann irrt herum. Doch auf einmal herrscht Trubel: Das Ensemble samt Orchester strömt herein.

Impresario Fred Graham tritt auf und schwört seine Truppe auf ein tolles Theaterereignis ein. Die Musiker nehmen ihre Plätze im hochgefahrenen Graben ein, und mit dem Song „Premierenfieber“ beginnt die Show.

Theater im Theater, das ist das Cole-Porter-Musical „Kiss me, Kate“, eine Einladung, mit den Handlungsebenen zu jonglieren. Regisseur Tom Ryser macht in Kassel daraus eine witzige Revue, die am Samstag im fast ausverkauften Opernhaus auf viel Zustimmung stieß. Ein anfangs noch etwas zähes, dann aber temporeiches Spiel, bei dem die Grenzen zwischen Musicalhandlung und dem aufzuführenden Stück, Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“, des Öfteren verschwimmen.

Bühnenbildnerin Mayke Hegger hat einen fahrbaren Guckkasten auf die Opernbühne gesetzt. Darin wird Shakespeare gespielt, und überall drum herum laufen die Intrigen und Beziehungsdramen der munteren Truppe ab. Die Darsteller glänzen in Uta Meenens Kostümen – mal aus der Shakespeare-Zeit, mal aus der großen Musical-Ära, mal ganz modern.

Dabei ist das Musical „Kiss me, Kate“, das in Kassel in der deutschen Textfassung von Peter Lund und in Don Sebeskys Broadway-Instrumentierung von 1999 gespielt wird, trotz der reizvollen Doppelhandlung nicht nur Theater, sondern vor allem eine Show mit vielen Songs, die zu Hits wurden.

„Wunderbar“ wird es, wenn sich die als Star-Darstellerin verpflichtete Lilli Vanessi (Susan Rigvava-Dumas) und ihr Ex Fred Graham (Dirk Schäfer) im Duett an alte Zeiten erinnern. Die Protagonisten, stimmlich wie darstellerisch stark, zeigen sich menschlich mit ihren Macken und dürfen als Shakespeares widerspenstige Katharina und als werbender Petruchio herrlich überdrehen.

Faszinierend, wie Rigvava-Dumas den Song „Kampf dem Mann“ (I Hate Men) stimmlich ins Extrem treibt und Schockwellen auf die Umstehenden aussendet. Dass Shakespeares „Zähmung“ der Frau und auch das Musical nicht gerade den Stand der Gender-Diskussion widerspiegeln, wird einfach in Komik verwandelt – bis hin zum augenzwinkernden Happy End.

Das zweite Paar, das sich „kriegt“, die jungen Darsteller Lois (Charlotte Irene Thompson) und Bill (Tobias Bieri), bringen mit ihrer Unbeschwertheit und den Hit-Songs „Aber treu bin ich nur dir“ und „Bianca“ Leichtigkeit ins Spiel. Für Lacher sorgen Tom Schimon und Bernhard Modes als umwerfendes Gangster-Duo und Dieter Hönig als General Harrison Howell.

Ein Glanzstück der Inszenierung ist die Choreografie von Lillian Stillwell. Der schwüle Song „Es ist viel zu heiß“ – toll gesungen von Lona Culmer-Schellbach als Hattie – wird eingangs des zweiten Teils zur großen Tanznummer. Das Tanzensemble brilliert mit Erotik und Akrobatik, Freds Ankleider Pat (Peter Schenk, der ältere Mann vom Beginn) legt ein abgefahrenes Tanzsolo hin, und auch der starke Opernchor swingt heftig mit.

Das Staatsorchester und die Band geben unter der Leitung von Kapellmeister Alexander Hannemann ebenfalls alles, und so hat der dreistündige Musicalabend eine Menge Drive.

Wieder am 28. und 29.10. sowie am 5.11. Karten: Tel. 0561/ 1094-222.

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