Alles ist möglich: Die Stephan-Max Wirth Experience im Kasseler tif

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Stephan-Max Wirth Experience: (von links) Stephan-Max Wirth, Jaap Berends, Bub Boelens und Florian Hoefnagels.

Kassel. „Sie haben Glück – oder Pech, wie man’s nimmt. Wir präsentieren heute einige Uraufführungen. Mal sehen, was passiert.“ Stephan-Max Wirth Experience spielten demnach vorgestern im tif nicht nur Altes und Neues, sondern auch Unerhörtes.

Egal wie man’s nimmt: Ob Premieren, Stücke von ihrer aktuellen CD „The Inner Draft“ oder älteres Material, in diesen außerordentlichen zwei Stunden passierte enorm viel, das ist mal sicher.

Früher nannte Wirth seine Band „Ensemble“, jetzt nennt er sie „Experience“. Zollt er damit Hendrix und seiner „Experience“ (Gitarre, Bass, Schlagzeug) Tribut, die ja enormen Einfluss auf den Jazz-Rock ausübte? Wirth ist als Tenor- und Sopransaxofonist durch und durch Jazzer, aber zusammen mit seinen niederländischen Begleitern Jaap Berends (E-Gitarre), Bub Boelens (E-Bass) und Florian Hoefnagels (Schlagzeug) stößt er das Tor sehr weit in Richtung Rock und Jazz-Rock auf.

Das Quartett ist offen für viele Einflüsse, das merkt man sofort. Wirth ist ein Meister gesangvoller melodischer Linien, gibt einen thematischen Rahmen vor, den er selbst sprengt und dann ist improvisatorisch alles möglich.

Vor allem Hoefnagels erweist sich als treibende Kraft. Sein Schlagzeugspiel ist energisch, diffizil und höchst komplex, mal schroff und laut, dann wieder feinfühlig, zurückhaltend und höchst gelassen. Boelens legt ein rollendes groovendes Bassfundament darunter, das Berends mit Gitarrenloops, bisweilen ekstatisch ausladenden Soli und elektronischen Effekten erweitert, als würde er sich vor Hendrix verneigen.

Nichts ist vorhersehbar, hier dominiert keiner, jeder hat seinen Raum und seine Zeit. Nicht ohne Ironie bezeichnet Wirth seine Band als „Unterhaltungskapelle“. Auch das ist ja wahr. Diese vier Musiker zu hören und ihnen zuzusehen, macht einfach Spaß, und das Publikum quittiert das mit wiederholtem Zwischenapplaus. Zuletzt gibt’s eine Zugabe.

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