Der geläuterte Skandal-Rapper Bushido spielt sich selbst im Bernd-Eichinger-Film „Zeiten ändern Dich“

Bushido im Interview: „Alles nicht so ernst nehmen“

Anis Ferchichi hat für einen ehemaligen Kleinkriminellen viel erreicht. Als Bushido, was so viel heißt wie „Weg des Kriegers“, ist der Berliner zum erfolgreichsten wie umstrittensten Rapper des Landes geworden.

Bernd Eichinger hat nun die Biografie des 31-Jährigen verfilmt. Die Hauptrolle im diese Woche startenden Film „Zeiten ändern Dich“ spielt natürlich Bushido selbst.

Sie sind kein Schauspieler. Bei wem haben Sie Anschauungsunterricht genommen?

Bushido: Bei niemandem. Zumal ich auch das Glück hatte, nur mich selber zu spielen. Das war jetzt keine schwierige Rolle. Aber wen ich bewundere, das ist Sean Penn. Wie der in „Ich bin Sam“ einen Behinderten verkörpert hat.

Finden Sie Ihr Leben interessant genug für einen Film?

Bushido: Von selbst wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Filmfirmen anzurufen und zu sagen: „Hey, ich habe hier ein Leben, das ist relativ spannend“. Als Bernd Eichinger dann bei mir anklopfte, war das wie Weihnachten.

Ihre Filmpartner sind Moritz Bleibtreu und Hannelore Elsner. Hatten Sie keine Angst, in diesem hochkarätigen Umfeld zu scheitern?

Bushido: Ich spiele in der Champions League und hoffe, dass ich dort nicht untergehe oder nur so eine Eintagsfliege bin. Ich will aber nicht behaupten, dass ich jetzt voll der krasse Schauspieler bin.

Bernd Eichinger sagt über Sie: „Bushido drückt die Panikknöpfe der Gesellschaft.“ Wie meint der das?

Bushido: Egal, wo ich auftauche, sind die Leute misstrauisch oder voreingenommen. Wer mir allerdings mit Respekt begegnet, der merkt, dass ich genauso ticke wie jeder andere Mensch auch.

Provozieren Sie gern?

Bushido: Man sollte das alles nicht so ernst nehmen, was ich mache und erzähle.

Sie sagen, Respekt ist ein wichtiger Wert. Begegnen Sie selbst denn allen Menschen mit Respekt? Ihre Raptexte sind nicht selten frauenfeindlich, und Ihre Rivalen titulieren Sie gern als „Opfer“.

Bushido: Vor gewissen Menschen hatte ich nie Respekt. Bei denen erwarte ich auch nicht, dass sie mich respektieren. Aber wenn man gewisse Spielregeln erfüllt, kann man mit mir auch neun Stunden lang in der Kneipe bei Cola und Tee die Nächte durchquatschen.

Sie sind in verschiedensten Milieus zu Hause - können mit Hannelore Elsner feiern, mit Bernd Eichinger Urlaub machen und trotzdem noch mit Ihren Kumpels abhängen.

Bushido: In meinem Lehrberuf als Maler und Lackierer arbeiten, Squash spielen, am Wochenende DVD gucken und den Rest meines Lebens mit meiner Frau zu verbringen - das war nie mein Lebensinhalt. Ich bin ein Chamäleon und versuche, so viele Dinge wie möglich zu machen.

Wie sieht der perfekte Bushido-Tag aus?

Bushido: Ich gehe in der Nacht davor um zwei ins Bett. Ich wache mittags auf. Dann spiele ich „World of Warcraft“, aktualisiere meine Facebook-Seite und lade meine E-Mails runter. Dann kommt mein Kumpel vorbei, wir rauchen eine Wasserpfeife, er erzählt mir, was er in der Disco erlebt hat. Irgendwann geht er nach Hause, und ich spiele „Warcraft“, füttere meine Hunde, gehe ins Bett.

Sehen Jugendliche Sie als Vorbild?

Bushido: Manche. Was aber jeder in mir sieht, ist eine Person, die in der Öffentlichkeit steht, und die Sachen macht, die cool erscheinen. Wenn man zeigt, dass man Geld hat, Frauen und Autos, dann finden viele das geil, auch wenn sie nicht Fan von einem sind. Dessen bin ich mir bewusst, und da muss man natürlich auch aufpassen und den Kids keinen Stuss erzählen.

Ist es nicht zweischneidig, für Geld, Frauen und Autos bewundert zu werden?

Bushido: Klar ist das toll. Aber das reicht nicht, um langfristig glücklich zu sein. Deshalb: Auch andere Werte sind mir wichtig.

Was denn? Schlagzeilen über Sie lauten „Ich schlafe im Monat mit 30 Frauen“.

Bushido: Dazu müssen Sie sehen, dass ich der Medienlandschaft viel anbiete. Und dann mache ich ein Interview wie im „Playboy“, in dem ich erzähle, dass ich rein mathematisch auf Tour täglich mit einer Frau schlafe. Auf der anderen Seite lebe ich mit meiner Mutter zusammen, weil ich sie sehr liebe.

Von Steffen Rüth

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.