Theater an der Goetheschule: Parabel auf das Erwachsenwerden

Auf dem Baum thront der Nihilist: Kim Schröer (von links), Lara Reitze, Luca Keuchel, Ina Reichhold, Karolina Bauer und Özge Efendi. Foto:  Schmidt

Kassel. Mitten in der Unterrichtsstunde verlässt Pierre Anthon den Klassenraum. Die Erkenntnis des Schülers: Nichts bedeutet irgendetwas. Fürs Leben lernen? Karriere machen? Für Pierre Anthon hat das keine Bedeutung mehr. Und genau damit versetzt der junge Nihilist seine Mitschüler in Aufruhr.

Der Kurs Darstellendes Spiel der Jahrgangsstufe 12 des Goethe-Gymnasiums hat, angelehnt an den Jugendroman „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ von Janne Teller, sein Stück „Der Stachel“ erarbeitet. Unter der Leitung von Eckhard Lück feierte das Stück am Mittwoch vor fast 100 Gästen Premiere.

Auf der Bühne der Aula sitzen die Schüler in Reihen im Klassenraum. Am anderen Ende des Saals thront Pierre Anthon auf seinem Baum. Die Schneise zwischen Baum und Bühne wird bespielt, rechts und links von ihr sind die Stuhlreihen des Publikums im rechten Winkel zur Bühne angeordnet. Diese außergewöhnliche Raumaufteilung ist eine tolle Idee und passt sehr gut zum Stück.

Spirale der Gewalt

Pierre Anthons Mitschüler wollen ihm beweisen, dass er Unrecht hat. Doch ihre Suche nach Dingen, die Bedeutung haben, entwickelt sich zu einer Spirale der Gewalt. Auf dem Berg der Bedeutung, der vor seinem Baum aufgetürmt wird, landen schließlich lange, blonde Haare, eine Zunge, eine Katze und die Unschuld eines Mädchens.

„Der Stachel“ ist eine Parabel auf das Erwachsenwerden und die Entstehung von Gewalt. Dabei tut dem Stück, in dem zu Kunstblut und Stichsäge gegriffen wird, gut, dass die Zwölftklässler es durch persönliche Anmerkungen („Sex? Das kann ich nur mit Internet.“) auflockern.

Von Valerie Schmidt

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