Das Pop-Duo Prinzhorn Dance School

Alles retro und mit Mut zur Lücke

Ganz schlanke Musik: Prinzhorn Dance School. Foto: Cooperative Music

Prinzhorn Dance School. Seltsamer Bandname. Benannt hat sich das Duo aus dem englischen Seebad Brighton nach dem deutschen Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn. Dessen Anfang des 20. Jahrhunderts angelegte Sammlung mit Bildern aus den Händen Geisteskranker hat es ihnen angetan.

Wie Musik Geisteskranker klingen die Songs aus der Prinzhorn Dance School aber gerade nicht. Es sind gertenschlanke, beinahe skelettartige, streng auf die nötigsten Zutaten reduzierte, hochkonzentriert vorgetragene (Neo-)Postpunk-Lektionen. Der Mut zur Lücke ist Programm.

Da haben sich Tobin Prinz (Drums, Gitarre) und Suzi (Bass, Drums) einiges abgeschaut bei den Postpunk-Helden Gang of Four: Die pfiffen, Ende der 70er, Anfang der 80er auf maskuline Gitarrensoli und ließen jene Lücken stehen, die Gitarrist Andi Gill einmal als „Antisoli“ bezeichnete.

Bassläufe wie mit Schwung auf den Boden geworfene, große Flummis, scharf konturierte, trockene Gitarrenlicks und minimale Hooklines. Ein metronomartig gespieltes Kickdrum-Schlagzeug, das klingt, als würde ein Einarmiger es bearbeiten. Wer möchte, kann im lässigen Stakkato-Sprechgesang Tobins Mark E. Smith von The Fall, im melodischeren Duettgesang der beiden die allzu früh aufgelösten Young Marble Giants wiedererkennen.

Alles retro, oder was? Sicher. Doch ist Prinzhorn Dance Schools zweites Album „Clay Class“ was Besonderes. So konsequent haben sich nur wenige Musiker der letzten Dekade am Sound ihrer Vorbilder orientiert. Es ist ein schmuckloser Sound, frei von ornamentalem Gedöns und inflationärem Verdichtungszauber. Damit stehen Prinzhorn Dance School in einsamer Nähe zu Joe Lally, Edie Sedgwick und Barr - Musiker, die sich seit Jahren am Prinzip „Rock“-Verschlankung abarbeiten. Nicht zuletzt um Rock, dem breitbeinigen Männerklischee, ein bisschen vors Schienbein zu treten.

Prinzhorn Dance School: Clay Class (Cooperative Music / DFA / Universal). Wertung: !!!!:

Von Michael Saager

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