Jazz-Trompeter Nils Wülker bot wenig Neues beim Konzert im Theaterstübchen

Alles schon mal da gewesen

Eingängige Melodien und ein leicht verständliches Rhythmuskonzept: Nils Wülker im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Jetzt also Funk und Pop. Nach dem Nordic Swinging auf „Safely Falling“ und „My Game“ hat sich der Trompeter Nils Wülker auf seiner aktuellen CD-Produktion „6“ für ein leicht verständliches Rhythmuskonzept entschieden. Dazu eingängige Melodien und griffige Akkorde, die für gute Laune sorgen sollen.

Da schrillen bei einem Jazzliebhaber erst mal alle Alarmglocken. Die gnadenlosen Mainstream-Orgien eines Till Brönner zucken durch das Gedächtnis, und man streicht vor dem Konzertbesuch den Begriff Innovation von seiner Erwartungsliste.

Hatte man dies getan, konnte man den Auftritt von Wülker und seiner Band im gut besuchten Theaterstübchen, mit leichten Abstrichen, genießen. Die Songs bestachen durch kurzweilige Arrangements, die Soli schickte man mit der nötigen Ruhe in die Umlaufbahn, und der Sound wirkte kompakt und differenziert. Manche Komposition liegt nur knapp über Lounge-Niveau, und bei den schnelleren Stücken fehlte es an Reibung.

Natürlich steckte bei der Qualität der Protagonisten hohe Spielkultur im Detail - der fein gestreichelte Moog (Lars Duppler), die knackigen Saxofonläufe (Jan von Klewitz), die druckvoll gestaltete Bassbegleitung (Edward Maclean). Die komplexe Gitarrenarbeit (Arne Jansen) und das rudimentäre Schlagzeugspiel (Jens Dohle) gaben dem Ganzen eine wohlklingende Rundung.

Doch man wartete des Öfteren vergebens auf den ultimativen Punch, die überschäumende Virtuosität, die Spannung, mit der Bands wie die Brecker Brothers diese Musik einst an die Oberfläche katapultierten.

Zumindest die zweite Hälfte des Konzertes bot eine deutliche Steigerung. Das Songmaterial wirkte zupackender, Spielfreude blitzte auf, und auch das Publikum zeigte mehr Reaktionen. Man kann Wülker nur wünschen, dass er auf der Suche nach seiner musikalischen Identität nicht im Schlund der Belanglosigkeit verschwinden wird. Viel Applaus und zwei Zugaben.

Von Andreas Köthe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.