Im Kasseler Musiktheater prügeln sich Sepultura durch ein Metal-Best-Of aus 25 Jahren

„Alles supergeil hier“

Gut aufgelegte Urgewalt: Sepultura-Sänger Derrick Green. Foto:  Fischer

Kassel. „Metal macht glücklich“ steht auf einem Aufnäher, den eine junge Dame an ihrer Hose befestigt hat. Auch wenn man die Allgemeingültigkeit anzweifelt: Solange der Aufnäher vor einer Bühne getragen wird, auf der Sepultura stehen, kann man über seine Richtigkeit kaum streiten – zumindest, wenn die Band sich so stark präsentiert wie im Kasseler Musiktheater.

Licht aus, ein kurzes Gewitter vom Band, dann galoppieren die Brasilianer mit „Beneath The Remains“ hinein in ein Best-of aus einem Vierteljahrhundert Bandgeschichte. Songs des aktuellen Albums „Kairos“, Klassiker von „Arise“, „Chaos AD“ und „Roots“ – jeder Takt wird vom Publikum mit lautem Jubel, gereckten Fäusten und geschütteltem Haar quittiert.

Das liegt vor allem an der Spielfreude, die Sepultura an den Tag legen. Der neu rekrutierte Eloy Casagrande prügelt und groovt sich so präzise durch den Abend, als sitze er seit seiner Geburt vor 21 Jahren am Sepultura-Schlagzeug.

Neben seiner Rolle als röhrende Urgewalt überzeugt US-Fronthüne Derrick Green derweil auch als charismatischer Moderator mit gut auswendig gelerntem Deutsch. „Geht’s euch gut? Alles supergeil hier.“ Kein Widerspruch. Auch Gitarrist Andreas Kisser gibt sich sehr kommunikativ, brüllt vom Bühnenrand mit den Fans um die Wette, schleudert verschwitzte Haare und schneidende Soli in die Menge. Alles untermalt vom angenehmen Wummern, das der Bass von Paulo Xisto Pinto Jr. in der Bauchhöhle hervorruft.

Einzig die Experimentierfreude bleibt an diesem Abend etwas auf der Strecke. Abgesehen von „Choke“ und „Dialog“ verzichten Sepultura zugunsten eines wuchtigen, geradlinigen Sets weitgehend auf ihre charakteristischen Tribal-Rhythmen. Die werden erst bei der Doppelzugabe „Ratamahatta“ – mit Gastauftritt des 14-jährigen Gitarristen-Sohns Yohan Kisser – und dem unvermeidlichen „Roots Bloody Roots“ ausgepackt. Ein krachender Abschluss für 105 sehr gelungene Minuten, die auf und vor der Bühne für viele zufriedene Gesichter sorgten. Metal macht glücklich.

Von Simon Neutze

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