Im März findet das Internationale Tanzfestival nach 18 Jahren zum letzten Mal statt

Alles hin und wieder weg

Zum ersten Mal in Europa: Die indischen Tänzer des Attakkalari Centre for Movement Arts mit dem Stück „Chronotopia“. Fotos: nh

Kassel. Achim Rache und Manfred Zalfen können auch dann noch lachen, wenn alles zu Ende ist. Seit 1992 organisieren sie mit dem Verein Movimento das Internationale Tanzfestival in Kassel, und für die 13. Auflage im März haben sie sich ein besonderes Motto ausgedacht. Unter den Schlagwörtern „Bewegungen - hin und weg“ werden vom 14. bis 23. März zehn Choreografien gezeigt.

Das Publikum, so wünscht es sich das Duo, wird angesichts der Aufführungen hin und weg sein. Rache und Zalfen sagen aber auch: „Gehen Sie hin, denn danach ist es weg.“ Mit „es“ ist das Festival gemeint, das nun zum letzten Mal stattfindet.

Mit Ausnahme einer Zwangspause von 2000 bis 2005 hatte Movimento die unterschiedlichsten Spielarten des zeitgenössischen Tanzes nach Kassel geholt. Das Ende einer Ära hat mehrere Gründe. Rache (53) und Zalfen (69) haben festgestellt, dass sich ein Festival dieser Größenordnung trotz der Unterstützung durch das Staatstheater nicht mehr so einfach ehrenamtlich organisieren lässt. Neue Sponsoren für den 62 000 Euro umfassenden Etat, zu dem die Stadt 12 000 Euro beisteuert, und Nachfolger suchten die beiden vergeblich.

Würde das Festival rote Zahlen schreiben, müssten die Organisatoren selbst haften. Andere Veranstaltungen gründen deshalb eine Gesellschaft, aber dafür fehlt es in Kassel an Kapital. „Es ist Zeit, eine Zäsur zu machen“, sagt Rache, der nach all den Jahren auch ein bisschen müde ist.

Für das letzte Programm ist der Bereichsleiter bei der Volkshochschule mit Zalfen wieder in unzählige Theater gereist. Gefunden haben sie Compagnien aus Kroatien, Litauen, den Niederlanden und Indien. Das Attakkalari Centre for Movement Arts aus Bangalore zeigt sein Stück „Chronotopia“ als europäische Erstaufführung in Kassel. Dazu kommen Choreografien aus der Kasseler Szene, die vielleicht auch deshalb so vielfältig ist, weil das Festival den Tanzboden dafür bereitet hat.

Eigentlich wollten Rache und Zalfen auch einige Ensembles holen, mit denen das Kasseler Festival groß wurde. Aber viele gibt es nicht mehr, weil die Szene in Bewegung ist. Und manche sind mittlerweile zu berühmt. Sasha Waltz etwa war eine unbekannte Choreografin, als sie 1992 zu Gast in Kassel war. Heute gilt die Berlinerin als Weltstar. Rache und Zalfen fragten bei ihr an, und als sie wussten, was ein Engagement von Waltz heute kostet, waren sie ganz schnell wieder weg von diesem Gedanken.

Von Matthias Lohr

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