Jürgen von der Lippe gewohnt witzig und souverän in Kassel

Hawaiihemd als Markenzeichen: Jürgen von der Lippe in Kassel. Foto: Malmus

Kassel. „So geht’s!“ - ein Comedy-Crash-Kurs für Anfänger. Was sich anhört wie die Einladung zu einem Workshop an der Volkshochschule, ist die Überschrift des aktuellen Tourprogramms von Jürgen von der Lippe.

Dabei plaudert er aus dem Kochbuch des Humors, erläutert die Rezeptur der gelungenen Pointe und berichtet über die Taschenspielertricks, mit denen man als Zotenpapst die großen Bühnen bespielen kann, ohne von der Kritik hinweggefegt zu werden.

Und die praktischen Beispiele liefert er gleich mit. Ein cleveres Konzept, denn im Anbaugebiet zwischen transzendierter Reflexion und Komödianten-Alltag geht prinzipiell erst mal alles. In der ausverkauften Kasseler Stadthalle präsentierte sich von der Lippe als einer der letzten brillanten Brücken-Komiker der alten Schule, die in der Lage sind, Kabarett, Satire und Comedy schlüssig miteinander zu verschweißen.

Lied auf die Gurke

Ein Virtuose der guten Laune, der immer wieder auf amüsante Art und Weise dem intellektuellen Spaß die deftige Schote auf den Rücken bindet und dieses Pärchen dann mit aberwitzigen Esprit durch den Abend peitscht. Die „akademischen Zaungäste des kollektiven Humors“ provoziert er mit Volksmusik und Porno-Geblubber, besingt die Gurke und den Eisschrank und lässt degustierende Weinkenner über die kabarettistische Klinge springen.

Musikalisch unterstützen ihn dabei Gitarrist Mario Hené und Keyboarder Wolfgang Herder, die beide auch gesanglich glänzen. Mit stoischer Gelassenheit, tiefer Stimme und schelmischer Eloquenz durchforstet er den Gag-Routenplaner eines Comedians. Dazu gehörten die Verwandlung in Kalle, den Berliner Regalsäufer, gelesene Geschichten aus seinem Buch und eine der besseren Grönemeyer-Parodien.

Deutlich spürte man die Affinität zu Woody Allen und zu der Sitcom „Two and a Half Men“. Beim Thema Kinder trieb er den Zynismus hart an die Grenze des Erträglichen, während er bei der Beurteilung des Genusses von Alkohol fast an die lyrische Wucht eines Charles Bukowski andocken konnte.

Es folgten mehrere Zugaben, und das Publikum zeigte sich voll befriedigt von diesem intelligent aufbereiteten Heiterkeits-Hybrid.

Wegen der großen Nachfrage gibt es am Sonntag, 22. Mai, eine Zusatzveranstaltung mit Jürgen von der Lippe in der Kasseler Stadthalle. Karten: Tel. 0561/203 204.

Von Andreas Köthe

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