Kasseler Musiktage: Das Joachim Quartett Berlin

Ein allzu langer Weltuntergang

Das Joachim-Quartett Berlin bei den Kasseler Musiktagen: (von links) Viviane Hagner, Latica Honda-Rosenberg, Hartmut Rohde und Jens-Peter Maintz. Foto: Schachtschneider

Kassel. Auch Tonsetzer gehen gern ins Kino. Einen starken Eindruck hinterließ Lars von Triers Film „Melancholia“ bei dem Komponisten Jan Müller-Wieland. Das Weltuntergangsdrama war nämlich eine Inspiration für sein Streichquartett Nr. 3 („Zweiter Mond“), das nun als Auftragswerk der Kasseler Musiktage vom Joachim Quartett Berlin vor 200 Zuhörern uraufgeführt wurde.

In einem einzigen Satz von 35 Minuten Dauer rückte der zweite Mond im Kasseler Ständesaal an. Zahlreiche starke Momente inbegriffen, zarte wie auffahrend expressive. Außerdem faszinierte Müller-Wielands Tonsymbolik, die sich selbst dem unvorbereiteten Hörer als ein untergründig wirksames harmonisches System mitteilte. Allein: Etwas lang muteten die 35 Minuten doch an.

Ausgedehnten Beifall bekamen der anwesende Komponist und die hochengagierten Topmusiker Viviane Hagner, Latica Honda-Rosenberg (Violine), Hartmut Rohde (Viola) und Jens Peter Maintz (Violoncello). Die vier sind Professoren der Universität der Künste Berlin. Mit ihrem Ensemble knüpfen sie an die Tradition des großen Geigers Joseph Joachim (1831-1907) an.

Tremolo und eine göttliche Melodie: Zum Auftakt wählte man Schuberts Quartettsatz c-Moll, kleine Intonationsschwächen der ersten Geige überraschten dabei. C-Moll gab es auch bei Mozart: Adagio und Fuge KV 546, schroff in Szene gesetzt.

Kompromisslos

Den Höhepunkt bildete aber das abschließende Beethoven-Quartett F-Dur op. 18/1. Mit einem Höchstmaß an pulsierender Spannung machten die Joachims klar, wie extrem Beethoven ist, so im kompromisslos dichten ersten Satz und im pathetischen Adagio, für das sich Beethoven von der Grabesszene aus „Romeo und Julia“ inspirieren ließ. Und er hat Musik geschrieben, in der kein Ton zu viel ist.

Von Georg Pepl

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