Unsterblich dank Schlangenbiss: Bonn widmet der ewigen Diva Kleopatra eine aufreizende Schau

Altägyptische Sexbombe

Skrupellose Verführerin: Hans Makarts Gemälde „Der Tod Kleopatras“ (1875, Öl auf Leinwand) und Elizabeth Taylor 1963 als ägyptische Königin in dem Hollywood-Klassiker „Cleopatra“. Fotos: nh

Es geht die Geschichte von einem Besucher, der dadurch auffiel, dass er scheinbar planlos kreuz und quer durch ein Museum lief. Dabei verfolgte er eine eindeutige Strategie: Der Kunstliebhaber hatte sich auf die Betrachtung von Frauenakten spezialisiert. In der Bonner Bundeskunsthalle könnte er sich den Zickzackkurs schenken. Denn eine erotische Darstellung reiht sich an die andere – und alle tragen den Namen „Kleopatra“ im Titel.

Heldin der Schau ist Kleopatra VII. (69-30 v. Chr.). Der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio berichtet: „Sie gewann die beiden größten Römer ihrer Zeit für sich, und wegen des dritten nahm sie sich das Leben.“ Erst war sie die Geliebte Caesars, dann die von Marcus Antonius. Der größte Widersacher von Kleopatra und Marc Anton war Octavian, der spätere Kaiser Augustus. Gegen den erlitt das Paar eine schwere Niederlage in der Seeschlacht bei Actium. Das führte zum Freitod von Marc Anton und Kleopatra.

Über Ägyptens letzte Königin sind wenige Fakten überliefert. Ausstellungskuratorin Elisabeth Bronfen urteilt: Mit Kleopatra VII. verbinden wir „eine eigenwillige Verschränkung von politischer Macht mit weiblicher Verführungskraft. Mit dieser Ausstellung bleiben wir bewusst im Bereich der Einbildung und Fantasie.“ Aufgeboten sind über 200 Exponate von der Antike bis zur Gegenwart.

Wie sah die historische Königin aus? Das ist nicht überliefert. Bei den ausgestellten antiken Köpfen handelt es sich um realitätsferne Idealporträts. Die lange in Vergessenheit geratene Kleopatra erregt erst seit der Renaissance wieder das Interesse von Künstlern. Bevorzugt stellen sie Szenen dar, die auf antiken Anekdoten beruhen.

Der von Justus van Egmont entworfene Bildteppich zeigt das „Bankett der Kleopatra“ (1650-1677). Die Königin hatte mit Marc Anton gewettet, dass sie bei einem einzigen Bankett zehn Millionen Sesterzen verprassen könne. Sie gewann die Wette, indem sie eine unermesslich wertvolle Perle in Essig auflöste und trank.

Was soll man davon halten? Die einen verurteilen das als Verschwendungssucht. Die anderen würdigen es als wahrhaft königliche Geringschätzung des Reichtums. Weitaus am häufigsten wird Kleopatras Tod ausgemalt. Auf Artemisia Gentileschis Gemälde „Kleopatra“ (1620-1626) rückt uns ihr entblößter Leib bedrängend nah auf die Pelle. Sie hält sich eine Schlange vor die Brust, die jeden Moment herzhaft zubeißen wird. Die Botschaft all dieser Gemälde vom Tod der Kleopatra scheint zu sein: Skrupellose Verführungskunst zahlt sich letztlich doch nicht aus.

Wie in einer Endlosschleife der Wiederverwertung und Reinkarnation geben sich unzählige Frauen für die altägyptische Schönheitskönigin aus: Theaterschauspielerinnen wie Sarah Bernhardt, Revuestars wie Josephine Baker, Sängerinnen wie Madonna und Hollywood-Diven wie Elizabeth Taylor. Richard Avedons Farbfotografie (1958) setzt einen in grenzenloses Erstaunen: Marilyn Monroe ist nicht wiederzuerkennen. Mit schwarzem Haar und schwarzer Augenschminke posiert sie als Schauspielerin Theda Bara in deren Rolle der Kleopatra.

Bis 6. Oktober in der Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4, Bonn. Di., Mi. 10-21 Uhr, Do.-So. 10-19 Uhr. Informationen: 0228-9171200, www.bundeskunsthalle.de.

Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet in der Bundeskunsthalle 32 Euro, im Buchhandel 45 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

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