Maximum Terzett hat den Frühling im Gebein

Der alte Hippie hat’s noch drauf

Ätzt gegen die Banken: Klaus der Geiger. Foto: Wienecke

Kassel. „Das Hippiezeug habe ich immer noch drauf“, verkündet Klaus von Wrochem, Jahrgang 1940, im Kulturzentrum Schlachthof zur Freude der 70 Besucher. „Der Frühling schleicht mir ins Gebein hinein“, schmettert er keck. Mit Christian Presch am Bass und Hans „Festl“ Wild an der Gitarre bildet Klaus der Geiger seit 20 Jahren das Maximum Terzett.

„Wir sind die Steigerung des Medium-Terzetts, das sind die mit dem Loch im Eimer“, scherzt Christian Presch. „Wir bieten Kreativität, Musikalität und geballte männliche Erotik.“ Hans „Festl“ Wild wird den Kampf mit der Batterie des Mikrofons schließlich gewinnen, spätestens als sein „Fernsehkasper triumphiert“.

In altbewährter Latzhose überrascht Klaus von Wrochem seine Mitstreiter mit ungeplanten Songs und Soli und ärgert sich über Ackermänner, Siemensgangster und Merkelferkel. Sein Herstatt-Blues samt eierlegendem Pleitegeier bleibt aufgrund der Banken- und Finanzkrise dauerhaft aktuell.

„Räumt die Konten, zahlt keine Steuern“, fordert er, um wenig später mit Sweet Georgia Brown so richtig loszufetzen. Absichtlich schief weckt er mithilfe seines Violinstudiums die „schweigende Mehrheit“. Neben seinen virtuosen Paganini-Variationen wird auch der „Drunken Sailor“ vom Publikum gebührend gefeiert. „Die Gewinne explodieren und auch mal ein Atomkraftwerk“, ätzt Klaus der Geiger, dem die Geige auch als Rhythmusinstrument dient.

Kein Schwein steckt ihn an beim Pandemie-Tango, doch die drei Vollblutmusiker haben das Publikum bereits längst infiziert. Mehrere Zugaben, tosender Applaus, super Abend - „egal, wie alt wir sind“. Wie wahr.

Von Bettina Wienecke

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