Alte junge Liebe: Ulrike Kriener beim Kultursommer

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Von hohem Wiedererkennungswert: Ulrike Kriener und Georg Weber waren beim Kultursommer Nordhessen in Kirchbauna zu Gast.

Ulrike Kriener und Georg Weber gastierten mit dem Buch "Alte Liebe" von Elke Heidenreich und Bernd Schröder in der Kirche von Kirchbauna.

„Alte Liebe“ heißt ein Gesprächsroman von Elke Heidenreich und Bernd Schröder. Die in Korbach geborene blitzgescheite Schriftstellerin, Kritikerin und Kabarettistin und ihr Mann setzen in diesem Buch nicht etwa ihrem Zusammenleben ein Denkmal, denn das Paar lebt schon lange nicht mehr zusammen, ihre Liebe ist gerostet. Die von Lore und Harry, dem Ehepaar in dem gemeinsam geschriebenen Buch, ist es nicht. Nur liegt der Glanz ein wenig verborgen, beginnt aber neu zu strahlen bis zu Lores plötzlichem Tod.

Bei der Lesung in der Kirche Kirchbauna im Rahmen des Kultursommers Nordhessen stellten Ulrike Kriener und Georg Weber das Ehepaar dar. Die beiden Schauspieler feiern im nächsten Jahr Silberhochzeit. Das Buch taugt sehr gut für solch eine „Dramatisierung“, denn es ist brillant geschrieben, voller Witz, zarter Ironie, aber auch von spürbarer Hochachtung vor einer 40-jährigen Liebe.

Einen großen Teil seines Unterhaltungswerts bezog der zweieinhalbstündige Abend vor ausverkauften Kirchenbänken aus dem Wiedererkennungswert der Dialoge und inneren Monologe. Die Frau führt fast immer das Wort, meckert an der Gartenleidenschaft ihres Mannes, an seinem Golfspiel, an seiner Bildung („Du liest nicht, du verblödest“), an seinem Auftreten („Du willst doch wohl nicht in diesen Klamotten weggehen?“), an seinen Einwänden: „Halt jetzt einfach den Mund!“

Er reagiert meist nur, bringt sie durch seine ruhige, unentschiedene Art oft auf die Palme, macht ihr die Lesungen, die sie so gern organisiert, madig. Was sie verbindet, ist die Sorge um die Tochter, die nach mehreren Fehlversuchen nun in Leipzig einen untersetzten Bauunternehmer (Er: „Ossi!“) heiratet. Lore und Harry, der Altachtundsechziger, schwänzen die halbe Hochzeit und machen es sich stattdessen in der Hotelsuite gemütlich.

Ulrike Kriener und Georg Weber hielten sehr gekonnt und zum Vergnügen des Publikums die Waage zwischen Lesung und Theater. Fazit: Sie sagt: „Ich glaube, ich liebe dich noch“, Er: „Sag mir Bescheid, wenn du es genau weißt.“

Von Johannes Mundry

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