Nick Cave macht mit Band Grinderman zähnefletschenden Krawall-Blues

Gute Laune sieht anders aus: Nick Cave (links) mit seinen Bandkollegen. Foto: nh

Männer um die 50 bringen brav das Geld nach Hause, trinken mit alten Schulfreunden ab und zu einen über den Durst und erinnern sich dabei an „wilde“ Zeiten. Eines müssen sich solche Männer nicht sagen lassen: Dass sie nicht erwachsen geworden wären.

Anders der 1957 im australischen Warracknabeal geborene Nick Cave. Steckt angeblich fest in einer Midlife-Crisis, regrediert gar zum halbstarken Jugendlichen, hantiert rum mit allerlei Virilitätsfantasien, begreift einfach nicht, wo sein altersgemäßer Platz ist, der Mann. Und lacht sich hoffentlich halbtot, wenn er solche Sachen über sich lesen muss. Zurzeit wieder eine Menge davon, denn gerade ist das zweite Album von Caves zähnefletschender Krawall-Blues-Band Grinderman erschienen.

Krach machen - ewiges Privileg der Jugend? Cave und seine Mitstreiter Warren Ellis (Violine, Gitarre), Bassist Martyn Casey und Schlagzeuger Jim Sclavunos pfeifen drauf, haben sich Bärte wachsen lassen, mutieren im Video „The Road“ gar zu werwolfsähnlichen Gestalten und scheinen auch sonst eine Menge Spaß während ihrer Studioetappen gehabt zu haben - drei Jahre nach dem Debüt „Grinderman“ und bald eine kleine Ewigkeit nach Platten, die sie gemeinsam mit Nick Cave als Bad Seeds eingespielt haben.

Spannung, Beklemmung, Gewalt. Darum geht es laut Cave bei Grinderman. In den gewaltgetränkten und pornografischen Texten sowieso, aber auch in der Musik mit all ihrer brutalen Brachialität und bebenden Boshaftigkeit, den strategisch-eruptiven Attacken.

„Grinderman 2“ ist ein hart klirrendes, schmerzhaft schneidendes, dumpf bollerndes Atmosphärenschlachtfest mit einem gereizten, schreienden, grunzenden Cave am Mikrofon. Es ist Musik, die Böses beschwören will und das überzeugend hinkriegt.

Nun wäre Cave nicht Cave, wenn bei all der Härte nicht auch Herz und Seele im Spiel wären. Das unterscheidet den Mann von den wirklich harten und erbarmungslos bösen Jungs: dass er immer auch hinauf will, in den Himmel, ins Licht. Dass sich Caves Kunst, gleich ob in Buchform oder als Musik, stets nach Liebe sehnt.

Und so gibt es auf „Grinderman 2“ ein paar Songs, die den eher skeptischen Hörer mit der Galgenschlinge aus rostigem Stacheldraht um seinen Hals versöhnen dürften, allen voran das wahrhaft betörende „Palaces Of Montezuma“- ein von melancholischem Männerchoral begleiteter, fantastischer Ohrwurm. Zum Mitwippen und Tränen verdrücken. Als ob die Sünde nie in der Welt gewesen wäre.

Grinderman: Grinderman 2 (Mute / Good To Go).

Wertung: !!!!:

Von Michael Saager

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