Kraan begeisterte im Kulturzentrum Schlachthof

Alte Rebellen

Schwelgte in alten Zeiten: Bassist Hellmut Hattler beim Konzert von Kraan. Foto: Fischer

Kassel. Sie kommen aus einer Zeit, in der die Kommunen Hochkonjunktur hatten, zu elektrisierenden Rockbeats Joints herumgereicht wurden und die Selbstbefreiung gepriesen wurde. Ein wenig von dieser rebellischen Spannung herrschte schon im brechend vollen Schlachthof, lange bevor die drei Krautrocklegenden von „Kraan“ am Freitagabend auf die Bühne stiegen.

Und dann fegten sie los, Hellmut Hattler am Bass, Peter Wolbrandt (Gitarre und Gesang) und Jan Fride Wolbrandt am Schlagzeug, in einer Fusion aus schwerem Meditativrock, angehaucht mit leichten Jazz-Improvisationen und orientalischem Schmelz. Schrill, frech und groovig, eine Zeitreise durch vier Jahrzehnte gemeinsamer Musikgeschichte. Denn Kraan ist auf Jubiläumstour und präsentiert gleichzeitig das neue Album „Diamonds“, zu dem auch die schmeichelhafte Perle „Ab nach Kassel“ gehört.

Leidenschaftlich und unverblümt, wie bei einem Wiedersehen von alten Freunden, war die Stimmung zwischen Band und Publikum. Es wurde gepfiffen, gejohlt und kommentiert, während Hattler über die alten Zeiten plauderte: „Drogen und Musik, das gehört irgendwie zusammen“, schäkerte er, um dann zu erklären, dass die beeindruckendsten Beats aus Assoziationen entstanden sind, die man hat, wenn man auf Droge ist.

Passend dazu flirrten zu ihren Klängen grelle Neonbilder mit Leuchtreklame im Popartstil über die Leinwand. Zum dröhnenden „Silver Buildings“ raste man zwischen Wolkenfetzen und schemenhaften, bunten Hochhäusern in die Ekstase. Zwischendurch wechselte der Hintergrund: Videoaufnahmen von den Anfängen der Band hatten einen urig-nostalgischen Effekt.

„Wer es schafft, am lautesten zu brüllen und danach total relaxed ist, hat gewonnen!“, grinste Hattler zum Klassiker „Let it out“ und stachelte das Publikum damit am Ende zu frenetischen Ausrufen an. Es gab schmetternden Applaus.

Von Carolina Rehrmann

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