Comedian Serhat Dogan im Piazza in Vellmar

Das alte Spiel mit der anderen Kultur

Warum Rotkäppchen türkische Wurzeln hat: Serhat Dogan in Vellmar. Foto: Malmus

Vellmar. „Ich heiße Serhat und komme aus der Türkei, aber ich bin kein Macho, denn ich habe gehört, deutsche Frauen lieben weiche Eier!“ Mit diesem Satz beginnt ein 90-minütiger „Clash of Cultures“ in der fast halb gefüllten Piazza in Vellmar, geschildert aus der Sicht eines Türken, der seit vier Jahren in Deutschland lebt und die vielen kleinen und großen kulturellen Unterschiede zwischen seiner alten und seiner neuen Heimat unter die Lupe und aufs Korn nimmt.

Es klingt genauso irrwitzig wie logisch, dass der 33-jährige Serhat Dogan einst mit einem Comedyvisum ins Land kam und fortan von seinen Witzen leben muss, wenn er die Aufenthaltsgenehmigung behalten will. Das gelingt ihm mit seinem Programm „Danke, Deutschland! - Ein Türke zwischen Kebab und Käsekuchen“ recht gut. Schonungslos beschreibt er die Schwierigkeiten, die ein Türke haben kann, wenn er nach Deutschland emigriert. In Bayern spricht gar keiner deutsch, im Hofbräuhaus muss man gleich ein ganzes „Aquarium“ austrinken, und die Zeitungsverkäufer haben nur eine Zeitung, auf der „Erwachet“ steht, und reden dauernd vom Weltuntergang.

Na, er hat ja schon gehört, dass die Deutschen pessimistisch sein sollen, aber so? Mit guter Körperbeherrschung führt Dogan in slapstickhaften Tanzeinlagen vor, dass so manches deutsches Kulturgut wie „Rotkäppchen“ von den Brüdern Grimm oder „Wahnsinn“ von Wolfgang Petri eigentlich türkische Wurzeln hat.

Viele Lacher hat er auf seiner Seite, wenn er aus seinem Tagebuch und aus Fan-E-Mails vorliest oder die Lebensweisheiten seines Vaters zitiert. Allerdings ist so manche „olle Kamelle“ des Wahlkölners auch genau das: nämlich etwas abgedroschen. Zu einer kulturellen Verständigung kommt es durch die Gegenüberstellung der vielen Klischees auch nicht wirklich. Aber Dogan versteht es, die Sympathie des Pub-likums zu erringen, das er immer wieder in sein Programm einbindet. Dafür Applaus!

Von Alexander Pluquett

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