Jane Birkin sang Chansons ihres Mannes Serge Gainsbourg

Die alten Lieder

Erfüllte mit ihrem Strahlen das Kasseler Kulturzelt: Die britische Sängerin und Schauspielerin Jane Birkin. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Jane Birkin ist eine Ikone der 68er-Generation. 1966 zeigte sie sich halb nackt in Antonionis Filmklassiker „Blow up“. Im Duett mit dem französischen Chansonnier Serge Gainsbourg stöhnte sie 1969 den Skandalsong „Je t’ aime ... moi non plus“, für den der Vertriebsleiter der italienischen Plattenfirma aus der katholischen Kirche ausgeschlossen wurde.

Damals war die Britin Jane Birkin Anfang 20. Heute ist sie 66. Ihre große Liebe und zweiter Ehemann Serge Gainsbourg ist seit 22 Jahren tot. Am Samstagabend in Kassel sang sie Lieder, die er für sie geschrieben hatte. „Ein Lied für jemanden zu schreiben, dass ist das Süßeste, was ein Mensch für einen anderen tun kann“, sagte Birkin, die im fast voll besetzten Kulturzelt Französisch, Englisch und ein kleines bisschen Deutsch sprach.

Jane Birkins eindringliche, aber hauchzarte Stimme kommt ganz tief aus der Kehle. Mit ihrem Strahlen erfüllt die schlanke, hochgewachsene Britin, die sich an der Seite von Gainsbourg zum Inbegriff der kindfraulichen Französin entwickelte, den ganzen Saal. „Ich bin so froh, dass ihr neugierig genug wart, um zu kommen“, sagt sie. In der Innenstadt hätte am Nachmittag niemand Beachtung von ihr genommen, was ihr große Sorgen für das Konzert am Abend bereitet hätte. „Dankeschön, divine Kassel.“

Die Chansons, die sie singt, handeln davon, wie man sich in den Armen eines Fremden über eine zerbrochene Liebe hinwegtröstet, von Wahrheit, von Täuschungen, also eigentlich immer von der Liebe. Manche klingen nach fröhlicher Straßenmusik wie „Le couteau dans le Play“ oder das ausgelassen stampfende „La gadou“, die meisten aber sind melancholisch, halb gesungen, halb gesprochen und sparsam instrumentiert. „Jane B.“ (1969) war der erste Song von Gainsbourg für sie.

Jane Birkin wird auf Tournee von vier japanischen Musikern begleitet. Ganz sanft bringen sie Klavier, Violine, Trompete und Schlagzeug zum Klingen, um Birkins Stimme nicht zu überdecken. Mit ihrer japanischen Begleitung möchte die Sängerin dafür sorgen, dass Japan nach Fukushima nicht in Vergessenheit gerät. Die Schönheit ist zu einer Botschafterin geworden.

Von Valerie Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.