Alter schützt vor Klasse nicht: Künstler jenseits der 70 machen Furore

MontserratCaballé, 81 Jahre

Wunderkinder und junge Stars liebt die Klassikbranche ganz besonders. Doch wie im Rest der Gesellschaft macht sich auch hier ein anderer Trend bemerkbar:

Die (fitten) alten Stars machen nicht nur immer weiter, sie haben auch eine Menge Überraschendes zu bieten. Nicht jeder ist dabei bis zum 91. Lebensjahr im Geschäft wie der Pianist Menachem Pressler, der eben beim Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker das Publikum begeisterte.

Bernard Haitink,85 Jahre

Dass Dirigenten auch noch mit über 80 Jahren aktiv sind, ist keine Seltenheit. Umso schöner, wenn es ihnen nicht nur darum geht, den eigenen Ruhm zu verwalten. Etwa indem sie sich mit jungen Künstlern zusammentun und so neue Wege einschlagen. Einer von ihnen ist der Niederländer Bernard Haitink (85), der als langjähriger Chef des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters Geschichte geschrieben hat. Mit dem 27-jährigen Cellisten Maximilian Hornung hat er im vergangenen Jahr eine Richard Strauss-CD eingespielt, die zu den besten Klassiktiteln zählt (Sony).

Ähnliches hat Nikolaus Harnoncourt mit dem chinesischen Pianostar Lang Lang (32) vollbracht: Ihr gemeinsames Mozart-Album (Sony) ließ aufhorchen. Daneben hat Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus Wien auch noch einmal die letzten Mozart-Sinfonien beispielhaft eingespielt (ebenfalls Sony).

Der in Indien geborene Zubin Mehta, erst 78, hat jüngst das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker eher gemächlich absolviert (Deutsche Grammophon). Doch zuvor hat er mit dem Stargeiger David Garrett eine tolle Platte mit Konzerten von Bruch und Brahms veröffentlicht (Decca).

Wie die Popstars gefeiert wurden im vergangenen Sommer die beiden in Argentinien geborenen Pianisten Martha Argerich (73) und Daniel Barenboim (72) bei ihren Klavierduo-Auftritten in Berlin und Buenos Aires. Das pianistische Feuerwerk, das sie mit Mozart, Schubert und Strawinsky abbrannten, ist jetzt als Live-Mitschnitt bei der Deutschen Grammophon erschienen.

Maurizio Pollini,73 Jahre

Ihr Altersgenosse, der Italiener Maurizio Pollini, der heute seinen 73. Geburtstag feiert, hat jüngst wieder mit einer Platte, auf der er einige der mittleren Beethoven-Sonaten einspielte, bewiesen, dass er ebenfalls noch längst nicht zum alten Eisen zählt (Deutsche Grammophon).

Nicht alle Sänger können sich ihre stimmlichen Qualitäten bis ins fortgeschrittene Alter erhalten. Montserrat Caballé, die 81-jährige spanische Sopranistin, nimmt zwar keine Platten mehr auf, als Konzertsängerin feiert sie aber weiterhin Erfolge - und kündigte kürzlich an, sie wolle „auf der Bühne sterben“.

Ihr spanischer Tenorkollege Plácido Domingo geht mit 73 Jahren neue Wege. Erst wechselte er vor einigen Jahren ins Bariton-Stimmfach, nun hat er (nicht zu ersten Mal) auch das Genre gewechselt: Sein bei Sony erschienenes Album „Encanto del Mar – Mediterranen Songs“ vereint Chansons und Traditionals zu den Themen Meer und Liebe und zeigt den Sänger - bei reduzierter technischer Anforderung - stimmlich voll auf der Höhe.

Von ihm und den übrigen tollen Alten wird man auch im neuen Jahr noch einiges zu hören bekommen.

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