Folk im Schloss: Regen und Blitze zwangen in Bad Wildungen zum Improvisieren

Alternative mit Charme

Es war eng, aber die Stimmung war gut: Musiker und Publikum rückten beim improvisierten Auftritt im Saal des Schlosses Friedrichstein in Bad Wildungen zusammen. Foto: Senzel

Bad Wildungen. Es hätte so schön sein können. Eine laue Sommernacht, ein Irish-Folk-Konzert unter freiem Himmel im malerischen Innenhof des Schlosses Friedrichstein in Bad Wildungen. Doch vor Spielverderbern sind auch die Konzerte des Kultursommers Nordhessen nicht sicher. Am Freitagabend tauchte davon gleich eine ganze Flotte am Himmel auf: Dunkle Regenwolken und im Schlepptau Blitze. Sie sabotierten, als hätten sie sich abgesprochen, die Veranstaltung mit den Bands Cara (Celic Folk) und Beoga (New Irish Folk).

Zehn Minuten vor Beginn regnete und blitzte es so heftig, dass der keltische Abend samt Bühne fast weggeschwemmt wurde. „War’s das?“, fragten sich die zahlreichen Besucher, die unter dem Eingangsbogen Schutz gesucht hatten. Nach 20 Minuten setzte der Regen aus. Die Bühne wurde vom Wasser befreit, die Stühle getrocknet. Die Bands spielten sich derweil im Barock-Saal des Schlosses warm. Unplugged, aber so anziehend, dass in wenigen Minuten gut 200 Besucher den Saal fluteten. Es wurde eng. Die Temperaturen stiegen auf Schwitzbadwerte.

Die Stimmung aber war gut. „Was wir jetzt tun, passiert normalerweise erst, wenn ihr zu Hause seid“, rief eine Musikerin. Gemeint war eine Session mit der anderen Band. Nach einer halben Stunde unterbrach Maren Matthes, Intendantin des Kultursommers, die Musik: „Wir telefonieren mit dem Wetteramt und entscheiden dann, ob wir nach draußen gehen oder hier bleiben. Alle Karten behalten auch für das Konzert morgen Gültigkeit.“

Der Regen setzte wieder ein. Man blieb im Saal. Mikros und kleine Boxen wurden aufgestellt. Was folgte, war ein Session-Konzert mit besonderem Charme und Bildern, die etwas von documenta-Flair hatten: Künstler, die im Kreis sitzend in einem edlen Barocksaal fröhlichen Folk spielen, vor ihnen Publikum, das - als gelte es jede steife Etikette abzulegen –überwiegend auf dem Fußboden Platz genommen hatte. Stürmischer Applaus nach jedem Stück. Fazit: Eine aus der Not geborene Alternative mit beträchtlichem Charme.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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