Amanda war Rapperin und Moderatorin, mit „Karussell“ will sie jetzt als Popsängerin durchstarten

Bekommt prominente Hilfe: Sängerin Amanda wird unter anderem von Sido und Mark Forster auf ihrem neuen Album unterstützt. Foto: dpa

Wenn Sido, Mark Forster und Felix-Jaehn- Produzent Michael Geldreich an einem Album mitarbeiten, dann ist eines fast schon selbstverständlich: Mindestens ein radiotauglicher Hit sollte dabei herauskommen.

Das ist Amanda mit ihrem Album „Karussell“ auch gelungen. Der Song „Blau“, in dem Sido plumpe Rap-Einlagen mit Zeilen wie „Warum sitz’ ich hier und schwitze bis in jede Ritze?“ zusteuert, ist ein Gute-Laune-Top10-Hit geworden.

Dabei ist Amanda so etwas wie ein fröhlicher, weiblicher Gegenentwurf zu Max Giesinger, Tim Bendzko, Wincent Weiss, Mark Forster und Co. Die Frauen in der Popmusikszene - zumindest in den Charts - sind gerade rar. Amanda passt mit ihrer unbekümmerten, auch mal rotzigen, aber nicht wirklich frechen oder provokativen Art, gut in diese Lücke.

Das war schon einmal so, damals, als sie sich nicht nur in Berlin als Rapperin einen Namen machte. Sie nannte sich She-Raw, in Anlehnung an die Superheldin und Schwester von He-Man. Anfang der 2000er waren Frauen in dieser Szene rar, die Männer im Umgang mit weiblichen MCees eher skeptisch. Doch ihr stand ihr Geschlecht nicht im Weg. Sie ist eine Frau, sie ist stark, sie kann rappen und singen und sie weiß all das - und lässt sich von niemandem etwas anderes erzählen. So landete sie im Vorprogramm von Kanye West sowie LL Cool J. und wird in den Medien als „deutsche Lauryn Hill“ bezeichnet. Doch der ganz große Erfolg bleibt für sie aus, also zieht sie die Reißleine. Wird mit 23 Jahren Radiomoderatorin und kündigt nun andere Bands an, statt selbst Musik zu machen.

2014 kommt für sie dann die Wende: Als Radiomoderatorin lernt sie bei einem Interview Sido kennen. Der nimmt Amanda kurzerhand als Backgroundsängerin mit auf Tour, wo sie auch Mark Forster begegnet. Sie werden Freunde. Danach gibt es für Amanda kein Zurück mehr. Gemeinsam entwickeln die beiden „Karussell“. „Das Album ist deutschsprachig und erzählt direkt aus Amandas Leben“, teilt die Plattenfirma mit. Sie singt in „Meine Frau“ von ihrer „BFF“ (Best Friends Forever) von Beziehungen „Wenns vorbei ist“ und „Zu viel Arthouse“. Die Melodien sind eingängig, manchmal zu gefällig. Amanda sorgt in jedem Song für Gefühl. Die Texte sind aber leider manchmal zu banal und platt. Austauschbar. Dabei hat Amanda stimmlich einiges zu bieten. Eine gehörige Portion Soul klingt da raus und Tiefgang. Weit mehr, als ihr erstes Popalbum hergibt.

Die Geschichte scheint sich für Amanda Murray gerade zu wiederholen - nur nicht als Rapperin, sondern komplett verwandelt - als (nur noch ab und zu rappende) Popmusikerin. Sie hat das zweite Mal die Chance, als Musikerin richtig durchzustarten. Wenn sie es schafft, mehr sie selbst zu sein und etwas weniger nach Mark Forster und Sido zu klingen, könnte es der 34-Jährigen diesmal langfristig gelingen.

Amanda: Karussell (Four Music) Wertung: drei von vier Sternen

Von Maja Yüce

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