Interview: Der Schlagerstar Michael Wendler über seinen Erfolg, seine Neider und seine Autobiografie

Wendler: „In Amerika wäre ich der Held“

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Michael Wendler

Vor vier Jahren kannten nur hartgesottene Schlagerfans Michael Wendler. Mittlerweile ist er der „deutsche Robbie Williams“ und „einfach nur geil“ - das sagt Wendler jedenfalls über sich selbst. Wir sprachen mit dem 37-Jährigen.

Herr Wendler, wir sind ein bisschen enttäuscht von Ihnen.

Michael Wendler: Wieso?

Ihre Biografie heißt „Die Faust des Schlagers“. Das klingt nach Skandal. Dann aber schreiben Sie, dass Sie ein Spießer seien und einfach nur geliebt werden wollen. Gibt es den wilden Hengst Wendler gar nicht?

Wendler: In dem Buch steckt sehr viel Munition. Einige Kollegen werden von mir hofiert, andere verurteilt. Von Jürgen Drews zum Beispiel bin ich positiv überrascht. Er kommt mir intelligenter vor, als ich zunächst dachte. Auf der anderen Seite gibt es Roland Kaiser, der gerade schwer erkrankt ist, was mir sehr leid tut. Aber als Mensch hat er versagt. Vor drei Jahren hat er mich beleidigt. Später rief er mich an und sagte, alles sei erfunden. Dabei hatte der MDR mir seine Passagen längst vorgespielt. Auch Florian Silbereisen und Helene Fischer werden sich ärgern, dass sie im Buch vorkommen.

Dort schreiben Sie, dass in der Schlager-Branche nicht alles positiv ist. Was ärgert Sie?

Wendler: Am meisten enttäuscht mich, dass man nicht gönnen kann. Das Schlagergeschäft ist ein Haifischbecken, in dem es noch härter zugeht als im internationalen Pop. Dabei gibt es so viele Auftrittsmöglichkeiten - auch für junge Künstler. Der Kuchen ist groß genug. Wir müssen mehr zusammenhalten.

Für Ihre im Mai erscheinende CD „Jackpot“ haben Sie sich nackt in einer goldenen Badewanne fotografieren lassen - wie Dagobert Duck. Bei Ihren Kollegen wäre das unvorstellbar.

Wendler: Stimmt, ich bin der Parodist des deutschen Schlagers und betrachte alles sehr ironisch. Deshalb bin ich bei der jüngeren Generation so erfolgreich. Heute feiern tausende junge Menschen meine Songs. Sie grölen sie auf Feten mit und hören sie selbstbewusst in ihren getunten Autos. Das ist eine ganz neue Kultur. Vor ein paar Jahren hätte daran niemand geglaubt.

Dreimal wären Sie fast gestorben - das erste Mal mit vier Jahren, als ein Eichenschrank auf sie fiel. Das sei Schicksal gewesen, schreiben Sie. Sie wollen nun erst abtreten, wenn Sie Millionen Menschen begeistert haben. Ist das Ihre Botschaft? Man muss einfach an sich glauben.

Wendler: Ja, das Buch soll eine Anleitung sein für Newcomer. Alles, was mir passiert ist, hat dazu beigetragen, dass ich der Kämpfer wurde, der ich heute bin. Ich musste viel Prügel einstecken. Es gab so viele Berichte, die mich vernichten wollten. Aber so etwas motiviert mich nur zusätzlich. Seit 2007 bin ich bundesweit bekannt. Ich habe fünf Goldene Schallplatten bekommen, und zuletzt gab es eine Doku-Soap mit mir auf Sat 1. Das ist einzigartig.

Provozieren Sie die negativen Berichte nicht auch, wenn Sie zu Ihren Konzerten in der Stretchlimousine anreisen und von sich selbst nur in der dritten Person sprechen?

Wendler: Muss man das immer negativ sehen? Als ich in Oberhausen zum fünften Mal vor 13 000 Menschen aufgetreten bin, hieß es, der Wendler verschenkt seine Karten. Die Doku-Soap wurde vernichtet, obwohl zwei Millionen Menschen zugeschaut haben. Wer präsentiert sich schon so offen und ehrlich wie Michael Wendler? In meinem Buch gibt es sogar ein Nacktfoto von mir. Das soll nicht zeigen, dass ich die geilste Sau der Welt bin. Ich habe keinen Waschbrettbauch, aber ich will einfach alles gesagt und gezeigt haben.

Ist es eine typisch deutsche Eigenschaft, die Stars, die man hat, kaputt zu machen?

Wendler: Klar, in Amerika wäre ich der gefeierte Held. In Deutschland gehen zwei Sachen nicht: Wenn du kein Geld hast, wirst du ausgegrenzt. Und wenn du Kohle hast, wirst du vernichtet. Hier darf man nicht auffallen. Deshalb schotten etwa Stefan Raab und Mario Barth ihr Privatleben so rigoros ab. Wer hat den Mut wie der Wendler? Keiner.

Von Matthias Lohr

Zur Person

Michael Wendler wurde am 22. Juni 1972 in Dinslaken als Michael Skowronek geboren. Mitte der 90er kratzte der gelernte Speditionskaufmann sein Geld zusammen und nahm in einem Kellerstudio eine CD auf. Seitdem tingelt Wendler durch die Diskotheken und Festzelte am Niederrhein und im Ruhrgebiet. Im Sommer tritt er jeden Mittwoch in einer Großraumdisco auf Mallorca auf. Seine Lieder bestehen vor allem aus Disco-Beats und einem Synthesizer-Sound. Wendlers größter Hit heißt „Sie liebt den DJ“. Der 37-Jährige lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Dinslaken. Michael Wendlers Autobiografie „Die Faust des Schlagers“ ist im Riva-Verlag (300 Seiten, 19,90 Euro) erschienen. Das Album „Jackpot“ (Ariola) folgt am 14. Mai. (mal)

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