Analyse der Staatstheater-Saison: Positive Bilanz mit einigen Flecken

Die abgelaufene Theatersaison war die dritterfolgreichste Spielzeit von Staatstheater-Intendant Thomas Bockelmann seit 2004, was die Besucherzahlen angeht. Eine Analyse von Werner Fritsch und Bettina Fraschke.

Die Bilanz des Kasseler Staatstheaters kann sich sehen lassen. Eine Rekordauslastung und gut 225.000 Besucher in der abgelaufenen Saison sprechen für viel Vertrauen der Zuschauer und für ein kontinuierlich hohes Niveau der Angebote.

Besonders der neue Oberspielleiter Markus Dietz kann sich einen Orden an die Brust heften, seine Inszenierungen - allen voran die tolle Oper „Turandot“ - heimsten den meisten Zuspruch ein. Bei sehr überzeugender Qualität.

Trotzdem gibt es in dieser Spielzeit auch einige Kritik. Wo man hinhörte, äußerten sich Theaterbesucher immer wieder auch negativ.

Zwar freuen die positiven Bilanzzahlen in der Tanzsparte - aber nur auf den ersten Blick. Denn sie entstehen durch die Gastspiele mit klassischem Ballett. Gut, dass das Staatstheater so etwas einkauft. Aber man wird genau hinschauen müssen, wo in dieser Sparte etwas schiefläuft, wenn „Aurora“, das große Tanzstück im Opernhaus mit Orchester nur zu 52 Prozent ausgelastet ist. Diese Produktion müsste eine sichere Bank sein.

Im Musiktheater war die Spreizung der Qualität besonders groß, es gab sehr gute und weniger überzeugende Arbeiten - was auch an der Stückauswahl lag. Die Entscheidung für das ziemlich verquaste 1980er-Jahre-Stück „Un re in ascolto“ von Luciano Berio hätte man gründlich überdenken sollen, „Iphigénie“ von Gluck war langweilig umgesetzt. Auf der anderen Seite steht neben „Turandot“ auch der über weite Strecken überzeugende „Rosenkavalier“.

Eines der Hauptprobleme war ferner die Realisierung der Schauspielklassiker. Gleich beide Spielplan-Schwergewichte waren nicht richtig gelungen. Shakespeares „Hamlet“ ist inszenatorisch halbgar steckengeblieben, Bühnenbildner Gralf-Edzard Habben konnte nicht überzeugen mit seinem ersten Einsatz am Regiepult. Bei Kleists ohnehin schwieriger „Penthesilea“ war zunächst die Verständlichkeit des Textes zu schlecht. Da wurde lobenswerterweise nachgebessert - diese Anforderung an die Schauspieler muss aber wohl noch stärker abgefordert werden.

Die Erwartungen an die kommende Spielzeit sind jedenfalls wieder hoch.

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