Pit Knorr und die eiligen drei Könige zogen vorbei

 Mit Pit Knorr anarchisch durch die Adventszeit

Den Blick gesenkt, die Stimme erhoben: Pit Knorr im Kulturbahnhof. Foto: Gebhardt

Kassel. Man kennt ja diese esoterisch angehauchten Lesungen mit Klavier, Gitarre oder Cello, die nicht zuletzt den Humoristen erschauern lassen: Ergriffenheit heischende, bedeutungsschwangere, trauerschwere Lyrik und Prosa, dargeboten mit hochgezogenen Augenbrauen und klassischen Musikeinlagen.

Dass es auch anders geht, zeigten Peter „Pit“ Knorr und die eiligen drei Könige am Freitagabend im Südflügel des Kulturbahnhofs, wo sie auf Einladung der Caricatura lesend konzertierten oder konzertierend lasen - je nachdem: Ali Neander an der Gitarre und gesanglich eher im Bluesmodus, Markus Neumeyer am Klavier und mit glockenklarer Stimme sowie Frank Wolf, der als Cellist auch über eine echte Louis-Armstrong-Röhre verfügt, begleiteten Knorr mit umwerfenden Bearbeitungen von U- und E-Klassikern anarchisch-wüst durch die Vorweihnachtszeit.

"Sympathy for the Devil" auf dem Cello

Ein musikalischer Höhepunkt war „Sympathy For The Devil“ von den Rolling Stones, bei dem Frank Wolf sein Instrument derart malträtierte, dass das Rosshaar am Bogen fast in Fetzen hing: der Cello-Virtuose als Rockstar.

Knorr, der schon Comedy machte, als es das Wort noch gar nicht gab, las erwartungsgemäß wenig Besinnliches, aber dafür die angekündigten, umso komischeren eigenen Texte sowie die von Robert Gernhardt und Bernd Eilert.

Höhepunkte waren sicherlich Gernhardts Groteske „Erna, der Baum nadelt“ über eine unfassbare Tragödie am Weihnachtsabend, die dem Programm ja auch den Namen gab, und die Interviews mit dem Schweizer Non-Experten Schöpflin, der alles besser weiß - also gar nichts - und damit dem kalauernden Unsinn zu seinem Recht verhilft.

Gut gelaunt Richtung Weihnachten

Auf unnachahmliche Weise liest der „Pardon“-Mitarbeiter und „Titanic“-Mitbegründer Dialoge mühelos leicht mit unterschiedlichen Stimmfarben und Dialekten (Schweizerdeutsch, Südhessisch und normal) und ersetzt so ein ganzes Ensemble. Die zwei ohnehin eingeplanten Zugaben holte sich das Publikum gern ab und ging dann gut gelaunt auf Weihnachten zu.

Von Andreas Gebhardt

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