Deutschlandpremiere am 15. November

Schauspielerin Judith Caspari: „Ich gebe der Rolle mein Gesicht“

Vorfreude: Judith Caspari wird Hauptdarstellerin in „Anastasia – Das Broadway Musical“. 
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Vorfreude: Judith Caspari wird Hauptdarstellerin in „Anastasia – Das Broadway Musical“. 

Kassel/Stuttgart. Judith Caspari wird die Titelrolle der Anya im Musical „Anastasia – Das Broadway Musical“ von Stage Entertainment übernehmen. Mit uns hat sie im Interview gesprochen. 

Frau Caspari, Sie werden die Titelrolle im Musical „Anastasia“ spielen, wie glücklich sind Sie gerade?

Judith Caspari:Ich bin natürlich wahnsinnig glücklich über die Rolle. Es ist natürlich eine große Überraschung für alle und auch für mich alles noch ganz frisch. Ich bin froh, dass es nach der „West Side Story“ in Kassel nun so für mich weitergeht.

In Kassel sind Sie in der Rolle der Maria in der „West Side Story“ zu sehen. Maria geht es auch darum, etwas zu erleben – sie selbst werden vermutlich in den nächsten Wochen auch sehr viel erleben.

Caspari: Das stimmt und ich bin auch in einem Alter, in dem ich meinen Weg finden will und mich immer weiter ausprobieren will. Das ist in unserem Beruf so und da ich sowohl in Klassik als auch in Musical ausgebildet bin, ist es mir ganz wichtig das zu machen, wo mich der Weg hinführt. Es gibt keinen richtigen Plan, ich lasse die Sachen auf mich zukommen und probiere viel aus.

Wie sind Sie zur Rolle der Anya in „Anastasia“ gekommen?

Caspari:Es gab ein Vorsingen im März und ich wurde zufällig darauf aufmerksam, als ich zu Besuch in Stuttgart war. Anastasia war meine absolute Kindheitsheldin, es gab schon in den 90ern den Kinofilm und ich bin mit der Geschichte aufgewachsen. Als junge Frau habe ich mich dann für die historische Geschichte und den Mythos interessiert. Mein Freund sagte mir, dass ich mich bewerben soll. Das habe ich gemacht und zwei Wochen später war das Vorsingen, im Mai gab es eine zweite Runde und danach wurde ich informiert, dass ich ausgewählt wurde.

Die „Anastasia“-Regisseurin haben Sie schon begeistert. Sie sagte, Sie seien so herrlich und authentisch, dass selbst sie Gänsehaut bekommt. Setzt Sie solch ein Urteil auch unter Druck?

Caspari: Es ist vor allem sehr schön, das zu hören. Es ist gut, wenn ich in der Rolle authentisch wirke und nicht wie etwas, was so sein soll. Ich möchte meine Stimme nicht so verändern, dass ich perfekt wie eine Musical- oder Opernsängerin klinge. Für mich ist es immer das Ziel, das ich Leute berühren möchte.

Wann haben Sie selbst das erste Mal vom Schicksal der Zarenfamilie und von deren jüngsten Tochter Anastasia gehört oder gesehen?

Caspari: Es war tatsächlich der erste Kinofilm, in dem ich als Kind war. Danach habe ich die Kassette zuhause immer abends gehört. Ich fand den Charakter so stark und er hat sich von den anderen Prinzessinnen-Geschichten abgesetzt, weil die Geschichte eben auch wahr ist.

Ist es für Sie aufwendiger, sich auf eine Rolle vorzubereiten, die auf einer realen Person basiert?

Caspari:Aufwendiger im positiven Sinne. Ich habe tonnenweise Bücher über die Romanow-Familie. Meine Oma kommt ursprünglich aus dem ehemaligen Ostpreußen, auch deshalb interessiere ich mich für die russische Geschichte, das Land und die Kultur. Ich finde es auch wahnsinnig spannend, Bilder von Anastasia zu sehen. Und dann der Mythos, den es darum gab, ob sie wirklich gestorben ist – seit der Oktoberrevolution bis in die 90er-Jahre hat sich dieser Mythos gehalten. Die Charaktere dieser Familie finde ich spannend, weil es sich dabei um keine heile Disney-Familie handelt, sondern eine echte und auch brutale Zarenfamilie – aber die Töchter hatten für mich immer etwas Magisches.

Das Musical basiert auf dem Film und die Inszenierung gibt es bereits am Broadway. Wie sehr können Sie der Rolle überhaupt noch Ihren Stempel aufdrücken?

Caspari: Ich hoffe, das ich da sehr viel Eigenes reinbringen kann – auch aufgrund meiner Begeisterung. Natürlich steht die Inszenierung und ist der Broadway-Inszenierung gleich, aber ich bin ein ganz anderer Typ als die Hauptdarstellerin der Anya in Amerika. Ich sehe in den nächsten Wochen auch meine Aufgabe darin, für mich kleine Nuancen für Anya zu finden. Dadurch wird es für mich emotionaler. Damit auch etwas dahinter steckt und es nicht nur nachgemacht ist.

Sie haben vor ein paar Wochen Ihren Abschluss an der Folkwang Universität der Künste (Gesang/Musiktheater) gemacht. Ziehen Sie jetzt nach Stuttgart?

Caspari: Ja, ab Oktober werde ich in Stuttgart wohnen. Derzeit pendele ich noch zwischen Essen und Kassel, wo ja meine Familie lebt.

„Anastasia“ wird fast täglich aufgeführt werden. Sind Sie in jeder Aufführung dabei?

Caspari: Wir spielen acht Shows in der Woche, wenn ich nicht krank werde, bin ich immer dabei. Das ist eine große Herausforderung. Ich bin da im Moment sehr fasziniert von den Menschen, die das bereits in den Stage-Produktionen leisten. Diese Erfahrung habe ich ja noch nicht gemacht, bislang waren es maximal drei Auftritte in der Woche. Es ist auch faszinierend, das erleben zu dürfen und in einem so kompakten Zeitraum eine Rolle so oft spielen zu dürfen. Das ist für mich eine große Erfahrung, von der ich viel lernen werde.

Da müssen Sie sich Ihre Kräfte vermutlich gut einteilen.

Caspari:Stimmt, ich muss schauen, wie viel man jeden Abend geben kann und muss, damit die Show berührt. Aber eben auch darauf achten, nicht zu viel zu geben, damit man am nächsten Tag - manchmal haben wir auch zwei Shows am Tag - noch singen kann.

Werden Sie in dem Musical auch tanzen?

Caspari: Das Ensemble tanzt sehr, sehr viel und ich werde auch etwas tanzen, es ist aber meine Rolle nicht sehr tanzlastig.

Wollten Sie schon immer auf der großen Bühne stehen?

Caspari: Nicht wirklich, ich war ein sehr schüchternes Mädchen. Mit fünf oder sechs Jahren habe ich gesagt, dass ich Opernsängerin oder Prinzessin werde will, aber nur wegen der schönen Kleider. Es existierte für mich als Kind gar nicht die Vorstellung, dass ich etwas mit Gesang machen könnte. Ich war auch bei Familienfeiern als Kind nie die, die sich das Mikrofon geschnappt und gesungen hat.

Mit 18 habe ich mich erst richtig dazu entschlossen, Operngesang zu studieren.

Auf welchen Song im Musical freuen Sie sich besonders?

Caspari: „Reise durch die Zeit“ ist mein Lieblingssong aus der Kindheit. In der Inszenierung kommt er kurz vor dem Ende des ersten Aktes. Die Rolle begibt sich auf die Reise nach Paris und der ganze erste Akt handelt davon, wie Anya die beschwerliche Reise nach Paris führt. Dann steht sie alleine auf der Bühne und singt das Lied und auf der Videoleinwand erscheint ein wunderschöner, großer Eiffelturm. Auf diesen Moment freue ich mich am allermeisten. Das ist für mich der größte Gänsehautmoment.

Ist das Musical dem Film sehr ähnlich?

Caspari: Ich habe das Musical in New York angesehen, es ist eine tolle Show mit Ballett und wunderschönen Songs. Es ist aber auch sehr klassisch gehalten und eine neue Adaption des Films. Es möchte nicht der Film sein, sondern eine neue Erfahrung. Auch für Leute, die den Film kennen, ist es eine neue Erfahrung. Man geht nicht in das Stück, um den Film zu haben. Die Geschichte wurde auch etwas umgeschrieben, es gibt auch neue Rollen und auch neue Songs.

Wie lange dauert die Verwandlung zur Zarentochter?

Caspari: Bis jetzt hatte ich noch keine Anprobe. Ende August ist es soweit, das wird bestimmt ein besonderer Moment. Denn dann kann ich diese wunderschönen Kleider tragen, dann schließt sich ein Kreis – so sollte es sein.

Das Musical ist erst mal auf eine Spielzeit von einem Jahr angelegt. Wie geht es danach für Sie weiter?

Caspari:Für mich ist jetzt erstmal das Jahr wichtig, ich möchte die Rolle prägen. Es ist eine große Verantwortung und Aufgabe für mich, die erste deutsche Anya spielen zu dürfen. Damit prägt man ja die Rolle und gibt ihr ein Gesicht. Es muss natürlich immer weitergehen, aber ob ich im Musical bleibe, wieder Klassik mache oder das Stück länger geht, das wird die Zeit bringen. Da bin ich für alles offen und möchte alles erleben. Ich werde sehen, wohin mich das Schicksal führt.

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