Anders ist gut - Tatort in der TV-Kritik

Berlin ist nicht Münster. Berlin ist nicht Wien. Berlin ist anders. Da ist man mit dem Rad schneller unterwegs als mit dem Auto, wie die beiden Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) beweisen.

Da bezahlt man Mieten noch mit einer Flasche Rotwein oder mit Kleingeld in der Tüte. Da steigen Polizisten nachts in Büroräume ein. Die Grundkonstellation der Berliner „Tatort“-Folge „Alles hat seinen Preis“ war spannend konstruiert. Sofort gab es mehrere Verdächtige. Und wie es sich für Berlin gehört, war ein Migrant dabei. Eine Ost-West-Verknüpfung durfte auch nicht fehlen. Melancholie durchdrang den Fall.

Die Schwermut hätte fast die Lust am Zuschauen zerstört, obwohl er sehr gut inszeniert war. Nicolette Krebitz warf in der Rolle der unnahbaren Tochter des ermordeten Taxiunternehmers die Frage auf, warum sie nicht öfter im Fernsehen zu sehen ist. Mit Renate Krößner als Sekretärin konnte man sogar Mitleid haben, obwohl sie die Mörderin spielte. Regisseur Florian Kern hat in seinem Debüt auch gekonnt Musik zur Verstärkung eingesetzt.

Hätte der Regisseur nur den Mut gehabt, den Zuschauer in der Nachdenklichkeit zurückzulassen, anstatt den Einstiegsgag mit dem Wettrennen zu wiederholen. Dann wäre Berlin an die Klasse der Münsteraner und Wiener „Tatort“-Folgen herangekommen. Aber Berlin ist halt anders. Trotzdem gut.

Von Florian Quanz (flq@hna.de)

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