Das neue Album des Volks-Rock'n'Rollers

Der Soundtrack für Markus Söder: Andreas Gabaliers Album "Vergiss mein nicht"

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Mischt die Genres: Andreas Gabalier

Der selbsternannte Volks-Rock'n'Roller Andreas Gabalier klingt auf seinem neuen Album "Vergiss mein nicht" nach altbackenem Heimatfilm. Markus Söder wird es gefallen.

Er bedient die großen Gefühle. Das hat er mit dem fröhlichen Mitsing-Hit „Hulapalu“ (2015) ebenso getan, wie mit dem rührseligen und nicht weniger erfolgreichen Abschiedslied „Amoi seg’ ma uns wieder“ (2014). Mit seiner Musik füllt der Österreicher Andreas Gabalier Konzertarenen. Jetzt legt der selbsternannte Volks-Rock’n’Roller mit „Vergiss mein nicht“ ein Album vor, bei dem man genauer hinhören sollte ...

... auf die Musik:

Musikalisch bietet der 33-Jährige mit seinen zwölf neuen Songs auf seinem sechsten Album keine großen Überraschungen. Bleibt seinem Stil treu: Volksmusik trifft auf Pop-rock. Auch wenn die Gitarren jetzt oft druckvoller klingen. Streicher, E-Gitarre und Ziehharmonika, dazu Sprechgesang im steirischen Dialekt, der in englische Liedzeilen übergeht. Gabalier entstaubt die heimatlichen Klänge. 

Musikalisch ist er so etwas wie der neue Peter Kraus, der in den 50er Jahren mit seinen Auftritten aber noch schockte. Doch so leicht ist das Publikum heute nicht mehr von der Vermischung der Genres und schon gar nicht von einem Lederhosen-Rocker zu beeindrucken.

Das Video stammt nicht von hna.de, sondern von der Plattform Glomex.

Was es aber zu den Songs von „Vergiss mein nicht“ sicher tun wird: Mit seinem „Andi“ zu Balladen wie „Hinterm Horizont“ schunkeln, die an Brian Adams‘ „Summer Of ‘69“ erinnernde Nostalgie-Hymne „Verdammt lang her“ mitsingen und bei „Ewig“ ihre Liebsten umarmen. 

Denn natürlich verzichtet Gabalier, dem 2009 sein Durchbruch im „Musikantenstadl“ gelang, weder auf die Hymnen, noch auf Schmalzlieder – so nennt er seine gefühlstriefenden Songs. Alles ist höchstprofessionell produziert, für einen Sommer, der für Gabalier märchenhaft zu werden droht – er ist mit seinem neuen Album gleich an die Chart-Spitze gestürmt.

... und auf den Text

Es geht bei dem „Mountain Man“ vor allem um Liebe, um Verlust und um Freundschaft. Gabalier weiß, wie er seine Themen setzt: Nostalgie („Lummerlandlied“), Heimat, Sehnsucht, Gemeinschaft. Klar, dass auch das Bier in Strömen fließt und ihm das die „fesche, kesse, freche Kellnerin“ serviert. 

Und zu den schönen „Lipstick-Ladies“ möchte er gerne mit nach Hause („Hallihallo“), um lieb zu ihnen zu sein. Die Aufzählung sexistischer Anspielungen ließe sich fortsetzen.

Dürfte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder einen Lieblingssong wählen, wäre es wohl „Kleine steile heile Welt“, darin heißt es, dass in christlichen Ländern ein Kreuz an der Wand zu hängen hat.

„Hinterm Horizont“ widmet er nach „Amoi seg’ ma uns wieder“ erneut Menschen, die er verloren hat: Sein Vater und seine Schwester wählten den Freitod. Die Verletztheit teilt er mit den Fans – und sie feiern ihn für den Ausverkauf seines tragischen Schicksals. Das sind die Zutaten, die Gabalier in seine selbstgeschriebenen Lieder steckt. 

Live mag er das lächelnd, mit Bubi-Ironie verkaufen. Ohne die Dicke-Lederhosen-Show, hören sich die Texte nach altbackenem Heimatfilm an. Oder wie er in „Verdammt lang her“ singt – wie aus der Milka-Werbung. Nicht echt.

Andreas Gabalier: Vergiss mein nicht (Electrola)

Wertung: Zwei von fünf Sternen

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