Angelo Branduardi im HNA-Interview über das Alter, Erfolge, Inspiration und Bunga Bunga

Angelo Branduardi (61) steht seit 35 Jahren auf der Bühne. Er hat neben seinen bekannten poetischen Balladen Filmmusiken geschrieben (u.a. für „Die unendliche Geschichte“), mehrere Bücher über Musik, Musikinstrumente und das Entstehen von Musik veröffentlicht.

Auf seiner Tournee, die ihn am 2. April auch nach Kassel führt, soll es von allem etwas geben, verriet er im HNA-Interview.

Herr Branduardi, was, außer diesem Interview, steht heute auf Ihrem Programm?

Angelo Branduardi: Ich muss in meinem Studio aufräumen, dann übe ich drei Stunden Geige und nachmittags noch zwei Stunden am Piano. Ich übe jeden Tag mindestens fünf Stunden, auch auf Tournee. Als Sie berühmt wurden gab es mehrere italienische Musiker, die international gefragt waren. Paolo Conte, Fabrizio de Andre, Gianna Nannini. Aber im letzten Jahrzehnt kam, abgesehen von Nek gar nichts mehr aus Italien herüber.

Als Sie berühmt wurden gab es mehrere italienische Musiker, die international gefragt waren.Paolo Conte, Fabrizio de Andre, Gianna Nannini. Aber im letzten Jahrzehnt kam, abgesehen von Nek gar nichts mehr aus Italien herüber. Woran liegt das?

Branduardi: Dem Nachwuchs fehlt es an Eigenständigkeit. Die Musiker orientieren sich zu viel am internationalen Musikgeschehen, produzieren Mainstream. Das Geheimnis Ihres Erfolges? Branduardi: Meine Musik polarisiert. Entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Dazwischen gibt es nichts. (lacht) Gottseidank mögen viele Menschen meine Musik.

Das Geheimnis Ihres Erfolges?

Branduardi: Meine Musik polarisiert. Entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Dazwischen gibt es nichts. (lacht) Gottseidank mögen viele Menschen meine Musik.

Wird man nach 35 Jahren im Musikgeschäft gelassener?

Branduardi: Man wird im Alter gelassener. Ich gehe heute entspannter an die Sachen heran, bin nicht mehr so jähzornig wie früher. Je älter ich wurde, desto mehr bin ich mit mir selbst in Einklang gekommen. Ich bin heute ein zufriedener Mensch.

Haben sie noch Träume?

Das heißt, Sie haben keine Angst vor dem Alter?

Branduardi: (lacht) Ich bin doch schon alt. Nein, das Alter ist ein Geschenk. Es ist wunderbar, mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe, sich immer wieder auf etwas Neues einlassen zu können.

Woher kommen die Ideen für neue Alben?

Branduardi: Überall her. Ich sehe etwas und habe eine Idee, lese etwas und habe eine Idee. Ich schreibe all diese Ideen in ein Büchlein, dass ich stets bei mir habe. Das sind noch keine Ideen für Lieder, erst einmal nur Gedanken oder Assoziationen. Manche dieser Notizen ruhen zehn Jahre und länger in den Aufzeichnungen, aus anderen wird schnell eine Komposition.

Was ist zuerst da? Die Musik oder der Text?

Branduardi: Immer die Musik. Die spiele ich meiner Frau vor, erzähle ihr von der Grundidee und sie schreibt dann die Texte. Wie gehen Sie mit Kritiken um? Branduardi: Ich lese sie alle, aber sie beeinflussen meine weitere Arbeit nicht. Auch hier gilt: Entweder dem Kritiker gefällt das Album oder das Konzert oder es gefällt ihm nicht.

Stört es sie, dass viele Ihrer deutschen Fans gar nicht verstehen, was sie singen?

Service

Angelo Branduardi tritt am 2. April um 20 Uhr in der Stadthalle Kassel auf. Karten im Vorverkauf gibt es beim HNA-Kartenservice in der Kurfürsten-Galerie, Tel. 0561/203204 und in allen HNA-Geschäftsstellen

Branduardi: Das ist ein Problem. Ich versuche, bei Konzerten so gut es geht die Lieder zu erklären, auch auf Deutsch. Ich möchte, dass die Menschen meine Texte verstehen, freue mich aber auch, wenn Ihnen die Musik, meine Stimme und der Klang der Instrumente gefallen.

Welches ist ihr Lieblingsinstrument?

Branduardi: Eine Steiner-Violine, Baujahr 1776. Mein Vater hat sie mir geschenkt. Sie ist aber nur auf den Studio-Aufnahmen zu hören. Live spiele ich Geigen, die speziell für Liveauftritte entwickelt wurden. Ich nenne sie „technische Geigen“. Sie haben Tonabnehmer, können gut verstärkt werden und halten etwas aus. Die Steiner ist dafür viel zu kostbar. (lacht) Die Versicherung dafür würde die Hälfte der Gage auffressen. Sie haben schon oft mit dem Filmkomponisten Ennio Morricione zusammen gearbeitet.

Sie haben häufiger mit dem Filmkomponisten Ennio Morricione zusammen gearbeitet. Ist er dann der Boss oder Sie?

Branduardi: Die Zusammenarbeit mit ihm ist anstrengend, kompliziert und gleichzeitig von einer wunderbaren Freundschaft getragen.

Was erwartet die Zuhörer in Ihrem Konzert?

Branduardi: Klassische Musik, sakrale Musik, instrumentale Musik und natürlich der Wasserfloh (lacht). (Anm.: Gemeint ist sein Hit „La Pulce de Aqua“)

Wird es eine neue CD zu den Konzerten in Deutschland geben?

Branduardi: Ich hoffe, dass sie bis dahin fertig wird.

Steht der Titel schon fest?

Branduardi: Nein. Der Arbeitstitel ist „Was ich will“ in Anspielung auf Shakespeares „Was ihr wollt“.

Zum Abschluss noch ein Stichwort: Bunga Bunga.

Branduardi: Ich habe Berlusconi nicht gewählt aber unglücklicherweise viele meiner Landsleute. Jetzt müssen wir mit der Schmach fertig werden. Ich schäme mich für das Italien-Bild, das er in der Welt verbreitet.

Von Wilhelm Ditzel

Branduardi: (lacht) Tausende. Mein Leben, das weiß ich heute, wird nicht ausreichen, all das zu machen, was ich noch ausprobieren will.

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