Das jüngste Kind der zwölf Kelly-Geschwister im Gespräch

Angelo Kelly kommt mit Familie nach Baunatal

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Sein Vater Dan Kelly sagte, dass jeder Mensch singen kann. Doch seit Angelo Kelly seine Schwiegermutter hat singen hören, glaubt er nicht mehr daran. „Sie ist toll, aber singen kann sie nicht", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Damit ist sie in seiner Familie eine Ausnahme, denn Angelo Kelly stammt aus einer musikalischen Familie: In den 90er-Jahren kam niemand an der Musik der Kelly Family vorbei. Der 34-Jährige ist der jüngste der zwölf Geschwister, hat mittlerweile fünf Kinder und geht mit ihnen und seiner Frau auf Tour. Im Dezember kommen sie nach Baunatal.

Kürzlich stand ich am Flughafen in Dublin in einem Kiosk hinter Ihnen. Sie kauften unbehelligt ein. Vermissen Sie die kreischenden Teenager? 

Angelo Kelly: Nein, ich vermisse sie nicht. Diese Zeit ist lange vorbei. Es fühlt sich jetzt viel besser an.

Warum fühlt es sich jetzt besser an als zu der Zeit des riesigen Erfolges? 

Kelly: Es geht wieder um die Musik. Menschen, die in unsere Konzerte kommen, sind nicht da, weil sie 13 Jahre sind und glauben, sie seien in mich verliebt. Wenn man das dauerhaft hat, wird man zum Produkt - verliert die Balance.

Warum hat es Sie früher geärgert, wenn man Ihre Familie mit der Kelly Family verglich? 

Kelly: Ich musste mich emanzipieren und abgrenzen. Wenn man älter wird, wird man entspannter, sieht es nicht mehr so egozentrisch.

Gibt es etwas, was Sie auf jeden Fall anders machen wollen als Ihre Familie damals? 

Kelly: Man muss von Fehlern lernen. Wir wussten damals nicht, wie es ist, erfolgreich zu sein. Wir geben nicht so viele Konzerte. Wir haben damals bis zu 300 im Jahr gespielt, wenn wir jetzt 30 im Jahr geben, ist das viel. Wir sind nicht ständig im Fernsehen. Interviews gebe nur ich.

Warum haben Sie sich überhaupt entschieden, mit der Familie auf die Bühne zu gehen? 

Kelly: Wir sind drei Jahre mit dem Wohnmobil durch Europa gereist. In dieser Zeit habe ich keine Konzerte gegeben. Wir haben als Familie musiziert. Danach bin ich wieder aufgetreten und die Kinder hatten Lust mitzumachen. Anfangs waren es drei Lieder. Sie haben sich mehr getraut und so ist es mehr geworden.

Sie geben Konzerte mit irischer Weihnachtsmusik. Was macht den Unterschied aus? 

Kelly: Es gab keinen und das hat mir den Kick gegeben. Irland ist von Folkmusik geprägt, und als ich mir irische Weihnachtsmusik kaufen wollte, stellte ich fest, die gibt es nicht. Es gab nur irische Musik oder klassische Weihnachtsmusik. Ich habe mir vorgenommen, das zusammenzubringen. Also die irischen Elemente - die Jigs und Reels - mit alten Weihnachtssongs.

Es hat funktioniert. Hört man unsere Lieder, denkt man, in Irland singt man seit 500 Jahren so (lacht).

Was genau haben Sie mit den Songs angestellt?

Kelly: Manche habe ich schneller und andere langsamer gemacht. Zum Beispiel: Kommt lasset uns anbeten (singt erst konventionell und dann mit irischem Schwung und schnipst mit den Fingern). Es hört sich ganz anders an, funktioniert und atmet. Ist nicht zu schnell, sehr festlich und es wird gefeiert - nicht getrauert.

Und wie wirkt sich das im Konzert aus? 

Kelly: Die Leute stehen oft die halbe Show. Es gibt auch Momente, die für Gänsehaut sorgen, nachdenklicher sind.

Gibt es einen Song der Kelly Family, den Sie gerne mit Ihrer Familie aufnehmen würden? 

Kelly: Derzeit nicht, aber ich schließe das nicht aus. 1994 war ich 12 Jahre und „An Angel“ war unser großer Durchbruch. 20 Jahre später war mein Sohn Gabel 12 Jahre, da hätte es sich angeboten. Das hätte ein Manager bestimmt vorgeschlagen, aber die lasse ich nicht an uns heran - das sind alles Blutsauger.

Was war das größte Kompliment, dass ihnen Ihr Vater mit auf den Weg gegeben hat? 

Kelly: Er vertraute mir. Als es richtig bei uns abging und ich mit Paddy Hits sang, da wollte ich Schlagzeug spielen. Mein Vater sagte: „Schlagzeug ist super, aber vergiss deine Stimme nicht.“ Obwohl ich der Goldesel war, ließ er zu, dass ich meinem Verlangen nachgehe. Dafür bin ich ihm mein Leben lang dankbar.

Konzert: Freitag, 16. Dezember, Stadthalle Baunatal, 19 Uhr, Karten: ab 34,60 Euro, HNA-Kartentelefon: 0561/203204.

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