Komplizierter Jazz, der ganz einfach klingt

Angenehmes Kuddelmuddel: Triosence im Kulturzelt Kassel

Auftritt wie aus einem Guss: Bernhard Schüler (Piano), Omar Rodriguez Calvo (Kontrabass) und Stephan Emig (Schlagzeug). Fotos: Hedler

Kassel. Auch die neuerliche Heimkehr war ein voller Erfolg: Die aus Kassel stammende Band Triosence überzeugte im Kulturzelt mit kompliziertem Jazz, der ganz einfach klingt.

Es gibt komplizierte Musik, die auch so klingt. Und es gibt Musik, der ihre Komplexität nicht unbedingt anzumerken ist. Mit einem solchen Stück von raffinierter Einfachheit eröffnete die Jazzband Triosence am Samstag ihren Auftritt im voll besetzten Kasseler Kulturzelt.

Wer wollte, konnte dabei auf Taktwechsel achten, wer Schönklang genießen wollte, kam ebenfalls auf seine Kosten. Der Pianist und Komponist Bernhard Schüler bekam Beifall für seine Bemerkung: „Komplizierte Musik zu schreiben, die hinterher ganz einfach und natürlich klingt, ist eine große Kunst.“ Und er ergänzte: „Wenn Sie nicht mitbekommen haben, was für ein rhythmisches Kuddelmuddel wir gerade veranstaltet haben, würde ich das durchaus als Kompliment auffassen.“

Unterhaltsamer Plauderer: Der aus Kaufungen stammende Pianist Bernhard Schüler.

Den Jazz angenehm klingen zu lassen, ist überhaupt eine Stärke dieser erfolgreichen Formation, die im Kulturzelt mit Ovationen gefeiert wurde. Es war ein atmosphärisches Konzert in der alten Heimat, stammen doch Schüler und Stephan Emig (Schlagzeug, Perkussion) aus der Region. Mit ihnen musizierte diesmal der in Hamburg lebende Kubaner Omar Rodriguez Calvo, bekannt unter anderem vom Tingvall Trio, mit seinem gleichsam singenden Kontrabass-Klang.

Wie aus einem Guss erschien der fast zweistündige Auftritt, obwohl ganz verschiedene Stile zu hören waren. Neben Triosence-Klassikern wie dem afrikanisch getönten „Three Fo(u)r Fun“ gab’s neue Stücke - in zwei Wochen soll ein neues Album aufgenommen werden. Überraschend war eine Swing-Nummer als stilistische Facette, die man vom Komponisten Schüler so bisher nicht kannte.

Stephan Emig überzeugte einmal mehr mit müheloser Präzision und solistischen Glanzlichtern, während der Pianist nicht nur seine Tasten-Ästhetik spielen ließ. Nach einem Titel, der von Reisen nach Brasilien und einer brasilianischen Ex-Freundin inspiriert war, erklärte Schüler als begabter Geschichtenerzähler mit nachdenklich-ironischer Haltung: „Frau weg, wenigstens neues Stück da, so muss man das sehen.“

Von Georg Pepl

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