Neu im Kino: „Friendship“ erzählt vom Abenteuer-Trip zweier Ossis nach der Wende in den USA

Per Anhalter stets gen Westen

Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Veit (Friedrich Mücke, links) und Tom (Matthias Schweighöfer) werden nach ihrer Ankunft in den USA von den Zollbehörden gefilzt. Foto: Sony

Berlin, 9. November 1989. Die Mauer fällt. Und nun? Für Veit (Friedrich Mücke) ist die Sache klar: Er will nach San Francisco, weil es westlicher nicht geht. Dahinter kommt Asien, und das ist wieder Osten. Sein allerbester Freund Tom (Matthias Schweighöfer) überlegt nur kurz und schlägt ein. Aber das bisschen Westgeld, das die beiden haben, reicht nur für ein Flugticket nach New York.

Trotzdem: Der alte NVA-Rucksack wird geschnürt, ein paar Schachteln Kekse und ein Super-8-Filmprojektor eingepackt, und los geht es über den Großen Teich. „We are from East Germany“, sagt Tom mit seinen rudimentären Sprachkenntnissen dem amerikanischen Zollbeamten stolz: „You know, communists.“ Da heißt es erst einmal mitkommen und nackt an die Wand stellen. Da hilft der alte, etwas ungelenk ins Englische übersetzte FDJ-Gruß „Friendship!“ nichts. Auch der Fahrkartenkauf am Bahnschalter misslingt, da sich die US-Tarife deutlich von den Reichsbahn-Preisen unterscheiden. Also geht es per Anhalter Richtung Westen der Sonne entgegen.

Mit „Friendship“ entwirft der in den USA lebende deutsche Regisseur Markus Goller ein klassisches amerikanisches Roadmovie mit zwei Ossis als Helden. Die Idee ist nicht schlecht, aber man hätte aus ihr deutlich mehr machen können. Aus dem Aufeinanderprallen der Kulturen schlägt Goller kaum Kapital.

Zu sehr setzt „Friendship“ auf etwas abgegriffene Kumpelmotive und eine übersichtliche Stationendramaturgie, die auch durch Veits Suche nach seinem in die USA geflüchteten Vater nicht wirklich aufgewertet wird. Zwar gibt der finale Dreh der Story ein wenig zeitgeschichtlichen Tiefgang, aber das sind wenige Minuten, in denen der Film wirklich berührt.

Ansonsten sorgen der erste Drogentrip, die obligatorischen Auseinandersetzungen mit Gesetzeshütern oder ein Auftritt in einer Strip-Bar für komische, aber vollkommen vorhersehbare Unterhaltungseffekte. Was „Friendship“ zusammenhält, sind die beiden sympathischen Hauptfiguren, die sich mit naiver Sorglosigkeit ins Abenteuer stürzen und von Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke weit gehend ohne Ossi-Klischees gespielt werden. Man merkt „Friendship“ an, dass er nicht nur auf dem deutschen, sondern auch auf dem amerikanischen Markt funktionieren will und sich den US-Kino-Konventionen mehr unterwirft, als es der Geschichte gut tut.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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