Das Jazz-Trio trilogue verwöhnte das Publikum im Theaterstübchen mit ausgereiftem Zusammenspiel

Anspruchsvoll und unterhaltsam

Trotz Hundebiss in Spiellaune: Das Trio trilogue mit (von links) Allen Blairman (Schlagzeug), Rocky Knauer (Kontrabass) und Ulli Jünemann (Saxofon). Foto: Malmus

Kassel. Als Glückstag dürfte Saxofonist Ulli Jünemann den Dienstag zunächst sicher nicht verbucht haben. Nachmittags wurde er bei einem Spaziergang im Aschrottpark von einem Dobermann gebissen, abends empfingen gerade mal 25 Besucher den Wahl-Mainzer und seine Bühnenkollegen Rocky Knauer (Kontrabass) und Allen Blairman (Schlagzeug) im Theaterstübchen. Von Frust jedoch keine Spur. Kaum hatte Jünemann sein Instrument an den Lippen, schon fühlte er nur noch Jazz.

Unter dem Namen trilogue traten die drei renommierten Musiker auf. Ein grandioses Trio, darf man vorwegschicken. Für solche Charismatiker wie den Deutsch-Kanadier Knauer, Jahrgang 1951, und den aus Pittsburgh stammenden Blairman, Jahrgang 1940, dehnt der Jazz den Begriff vom „besten Alter“ gern ins Zeitlose.

Qualitativ gilt das auch für Jünemann, doch der ist mit seinen 44 Lenzen „das Küken der Band“, wie er augenzwinkernd bemerkte. Obwohl jeder der drei sich auf der Bühne einen eigenen Spielkosmos schafft, harmonieren sie prächtig.

Besonders unterhaltsam sieht das bei Allen Blairman aus. Der stets zu einem Späßchen aufgelegte Schlagzeuger ist nicht nur ungeheuer variabel und spieltechnisch brillant, er lebt das auch mit Körpersprache und Mimik aus. Mal streichelt er die Becken mit den Händen, verzieht das Gesicht, spricht mit sich selbst - mal spielt er nur mit einer Hand oder springt auf und spielt im Stehen weiter.

Die Musik der drei dominiert eine für anspruchsvolle Jazzmusik erfreulich hohe Affinität zum Melodiösen. Saxofonist Jünemann zieht die Melodiezitate beständig und gekonnt durch seine Schlaufen, Kaskaden und Tonsprünge hindurch. Und Bassist Rocky Knauer? Der lässt bärenstarke Soli das Griffbrett auf und ab marschieren und hält sein Instrument dabei so gefühlvoll im Arm wie andere ihre Liebste.

„Mit 21 Jahren“, berichtete Jünemann, „bekam Rocky den Tip, einen Kontrabass nur in Deutschland zu kaufen. Das tat er - und blieb hier.“

Kräftiger Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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