Die Oper „Teseo“ bei den Göttinger Händel-Festspielen überzeugte mit schönen Sängerleistungen

Ein antiker Held an der Rampe

Opulente Kostüme: Susanne Rydén in der Titelrolle des „Teseo“ bei den Göttinger Händel-Festspielen. Foto:  nh

GÖTTINGEN. Liebe, Eifersucht, Zorn, Rache: Darum geht es in Händels Oper „Teseo“ wie in den meisten anderen aus der Feder des Genies aus Halle auch - weshalb der Stoff auch nicht so wichtig ist. In „Teseo“ jedenfalls spielt der Mythos um den antiken Helden Theseus kaum eine Rolle. Ohnehin sollte die Oper besser „Medea“ heißen, denn die wilde Zauberin ist die beherrschende Rolle des Stücks.

Die diesjährige Opernpremiere (Regie: Catherine Turocy) bei den Händel-Festspielen in Göttingen am Freitag im Deutschen Theater war ein Kostümfest (Kostüme: Bonnie Kruger) im barocken Stil.

Antikisierende Kulissen (Scott Blake), kaum Requisiten und viel Stillstand an der Rampe ließen keinerlei Bemühen um eine Aktualisierung erkennen.

Etwas verwirrend waren lediglich die gelegentlich oberhalb der Bühne eingeblendeten Filmschnipsel aus der Probenzeit, angereichert durch einzelne Blicke auf Twitter und Facebook. Dies trug nichts Wesentliches bei.

Zum letzten Mal leitete der ausscheidende Künstlerische Leiter Nicholas McGegan die musikalische Seite der Opernproduktion und tat dies mit einem fast permanenten Glückslächeln.

Im Orchestergraben, umgeben von den auf ihn fixierten Musikern des Festspiel-Orchesters, ist McGegan in seinem Element. Musikantisch frisch, unterhaltsam und ohne die inzwischen weit verbreiteten Überzeichnungen der historischen Aufführungspraxis sorgte er für einen prächtigen Klangteppich, auf dem sich die exquisite Sängerequipe entfalten konnte.

Unbestrittener Star des Abends war Dominique Labelle als Medea mit einem breiten vokalen Sortiment von tiefer Schwermut bis zu hoher Dramatik. Amy Freston sang die Prinzessin Agilea mit einem metallischen, durchdringenden und höhensicheren Sopran, ebenso Céline Ricci als Clizia.

Dagegen fiel Susanne Rydén als Teseo etwas ab. Kurios: Zwar bietet „Teseo“ drei Männerrollen auf, aber keine wird von einem Tenor oder Bass gesungen.

Zwei Countertenöre vervollständigten das Sextett. Drew Minter sang den König Egeo mit großer Souveränität, während Robin Blaze als Arcane wunderschöne Arien bieten konnte, aber leider auch Momente größerer Unsauberkeit. Der Schlussapplaus im ausverkauften Deutschen Theater war so donnernd wie der Schlachtenlärm oder die Zaubereien Medeas.

Alle weiteren „Teseo“-Aufführungen sind ausverkauft. Das Festival unter dem Motto „Vive le Baroque“ geht bis zum 14. Juni. Karten: Händel-Festivalzentrum, Holbornsches Haus, Rote Straße 34, 10-18 Uhr.

www.haendel-festspiele.de

Von Johannes Mundry

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