Antonio Banderas über den Kino-Film „Die Haut, in der ich wohne“

Antonio Banderas

Es war der spanische Regisseur Pedro Almodóvar, der Antonio Banderas 1982 mit seinen Film „Das Labyrinth der Leidenschaften“ für das Kino entdeckte. Nach der fünften Zusammenarbeit mit Almodóvar wurde Hollywood auf den spanischen Jungstar aufmerksam.

Nach mehr als zwanzig Jahren arbeitet Banderas nun im diese Woche startenden „Die Haut, in der ich wohne“ wieder mit Almodóvar zusammen. Er spielt darin einen gefährlichen Chirurgen, der eine künstliche Haut entwickelt hat.

Welche Bedeutung hat die Arbeit mit diesem Pedro Almodóvar in Ihrem Leben?

Antonio Banderas: Der Einfluss ist fundamental. Er war mein Meister, mein Bruder, mein Freund. Wir haben zehn Jahre lang zusammengearbeitet und fünf Filme gemeinsam gedreht. Aber dabei geht es nicht nur um meinen beruflichen Werdegang. Almodóvar hat mir damals gezeigt, dass es viele verschiedene Wege gibt, das Leben zu verstehen, und mir eine sehr offene Sicht auf die Welt ohne moralische Vorverurteilungen vermittelt.

Sie haben mit Woody Allen, Steven Soderbergh und Pedro Almodóvar zusammengearbeitet - drei der interessantesten Regisseure aus verschiedenen Generationen. Was verbindet die drei?

Banderas: Gemeinsam ist ihnen, dass sie starke Persönlichkeiten sind, deren Filme man immer an ihrer Handschrift erkennen kann. Bei allen sind es die Schnelligkeit und Lebendigkeit der Dialoge, in die man sich hineinfinden muss. Soderbergh bleibt beim Dreh immer in Bewegung und reduziert das Verhältnis zu den Schauspielern auf ein Minimum. Aber wenn man zu ihm geht und ihn etwas fragt, ist er ein offenes Buch. Almodóvar hat immer sehr klare Vorstellungen davon, wie eine Szene aussehen muss. Dabei geht es oft nur um minimale Bewegungen. Die meisten amerikanischen Schauspieler würden bei Almodóvar ausflippen, weil sie es gewohnt sind, Emotionen immer in große Gesten zu verpacken.

Wie sind Sie an die Figur dieses grausamen Chirurgen herangegangen?

Banderas: Ich gehe an jede Figur wie ein Hausarzt ohne jegliche moralische Verurteilung ran. Eigentlich wollte ich in der Rolle meine schauspielerischen Muskeln spielen lassen. Aber Almodóvar hat das nicht zugelassen. Er sagte: „Wir werden die Geschichte über die Augen erzählen.“

Wie wichtig ist es für einen Schauspieler, sich wohl in seiner Haut zu fühlen?

Banderas: Da muss man sehr aufpassen. Denn wenn man sich vor der Kamera in seiner Haut zu wohl fühlt, wiederholt man oft nur immergleiche Formeln. Als Schauspieler muss man sich aus der eigenen Komfortzone herausbegeben. Unsicherheit, Angst, Depressionen - das gehört alles zum kreativen Prozess.

Wie in einigen Filmen von Almodóvar geht es auch in „Die Haut, in der ich wohne“ um die Durchlässigkeit der Grenze zwischen den Geschlechtern. Wären Sie gern für einen Tag im Körper einer Frau?

Banderas: Ein Tag wäre mir zu wenig. Das müsste schon mindestens eine Woche sein. Ich wäre sehr neugierig auf diese Welt, die man als Mann ja nie richtig versteht.

In den letzten Jahren stehen spanische Stars wie Javier Bardem oder Penelope Cruz in Hollywood hoch im Kurs. Was hat sich für spanische Schauspieler verändert, seit Sie vor zwanzig Jahren nach Hollywood gegangen sind?

Banderas: Dass spanische Schauspieler im amerikanischen Kino heute eine wichtigere Rolle spielen, hängt natürlich damit zusammen, dass in den USA mittlerweile 50 Millionen Menschen leben, deren Muttersprache Spanisch ist. Die Einwanderer aus Südamerika haben in den letzten Jahrzehnten sehr hart gearbeitet, damit ihre Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Und diese Kinder arbeiten jetzt in der Wirtschaft, in der Politik oder am Obersten Gerichtshof. Diese Veränderung spiegelt sich natürlich auch in Hollywood wieder.

Von Martin Schwickert

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