Applaus gab es keinen: Prüfung der Kasseler Schauspielstudenten

Schauspielschüler made in Kassel: (hinten von links) Till Ulrich Herber, Silke Senning, Johann Nickel, (vorn von links) Ira Maier, Julia Jütte und Müge Yavas. Foto: Ammermüller

Kassel. Glaubhaft in eine andere Rolle schlüpfen und den Zuschauern tiefste Verzweiflung oder größtes Glück vermitteln, das gehört zum Handwerkszeug von Schauspielern. Die Studenten der Schauspielschule Kassel erlernen in sieben Semestern diese Fähigkeiten.

Nun legten die Absolventen des siebten Semesters die Prüfung zur „Bühnenreife“ ab, so die Bezeichnung des Abschlusses. Dabei konnten alle die Prüfungskommission von ihrem Können überzeugen.

Lampenfieber gehört zu jeder Prüfung wie auch zu jedem Auftritt vor Publikum. Für Till Ulrich Herber, Ira Maier, Müge Yavas, Johann Nickel, Silke Senning und Julia Jütte kommt beides zusammen in der Kulturfabrik Salzmann. Die erste Reihe vor der schwarzen Bühne ist der Prüfungskommission vorbehalten. Innerhalb kürzester Zeit mussten die Absolventen in drei Figuren schlüpfen, eine davon sollte klassisch sein. Die Rollen wählten sich die Absolventen selbst, mit einem Lehrer wurden sie erarbeitet.

So stand Müge Yavas als Penthesilea aus Kleists Drama mit blutverschmiertem Mund auf der Bühne, nachdem sie ihren Geliebten Achill getötet hatte. Eine halbe Stunde später beschimpft sie die Prüfer in der Rolle einer bosnischen Sozialhilfeempfängerin aus Feridan Zaimoglus Stück „Die schwarze Jungfrau“ aufs Heftigste. Ehe sie schließlich als Lotte Stern, eine Figur aus George Taboris „Jubiläum“, einen bizarren Tod in einer Telefonzelle stirbt.

Applaus gibt es hier nicht. Nach jeder Szene geht das Licht aus, und es wird für die nächste Szene umgebaut. So sind alle Absolventen nach dem Vortrag ihrer drei Rollen „erst mal leer“, wie sie sagen.

Am Ende kehren alle auf die schwarze Bühne zurück, um das Urteil der Jury zu empfangen: Jeder hat bestanden. Wenn die angehenden Schauspieler demnächst auch den theoretischen Teil hinter sich bringen, werden sie mit dem staatlichen Abschluss bessere Aussichten auf einem schwierigen Arbeitsmarkt haben.

Von Kirsten Ammermüller

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