Pierre Huyghe zeigte im Gloria seinen Film

Wie im Aquarium

Pierre Huyghe, Carolyn Christov-Bakargiev. Foto: von Busse

Kassel. Es mag manchem Zuschauer am Montag im halbvollen Gloria-Kino geholfen haben, dass documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev und Künstler Pierre Huyghe nach der Vorführung über dessen Film „The Host and the Cloud“ sprachen. Wenngleich auf Englisch und obwohl sie sich in theoretischen Höhen verstiegen (es fielen Namen wie Freud, de Sade, Bataille und Melanie Klein) - beide schlugen doch einige Verständnis-Schneisen.

Der Franzose verglich das Film-Setting in einem geschlossenen Pariser Museum mit einem Aquarium, dessen Ausmaße und Ausstattung vorgegeben seien: „Aber ich kontrolliere die Tiere nicht.“ So habe es für seine Aufnahmen an drei Tagen, an denen 70 Stunden Rohmaterial entstanden, keinerlei Drehbuch gegeben. Schauspieler, die Museums-„Personal“ verkörpern, Menschen, die gar nicht „spielen“, sondern sich selbst darstellen, und Publikum „organisierten sich in einer kontrollierten Situation selbst“.

Einige Themen der teils befremdenden Szenenfolge ohne Handlung kristallisierten sich im Gespräch heraus - das Verhältnis von Fiktion und Realität, Selbstdarstellung, Bühnenpräsenz, Besessenheit, Exzess, die Rolle des Museums und vor allem: Wiederholung, Rekonstruktion, Neuinterpretation, Verwandlung - sei es in Hypnose, sei es im nachgesprochenen Gerichtsprozess.

„Wir leben in einem Zeitalter der Angst“, sagte Christov-Bakargiev. Einen Lacher erzielte sie, als sie die Lesart anbot, der Film sei die Sicht nur eines „postfeministischen Mannes, der von Fantasien gequält wird“. „Der Mann hat es nicht leicht heutzutage - hauptsächlich der weiße Europäer.“ (vbs)

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