Architekt Kilian Kada: "Die Grimmwelt hat etwas Geheimnisvolles"

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Kassel. Wer die neue Kasseler Grimmwelt gesehen hat, kann sich den Weinberg nicht mehr ohne den Bau vorstellen. Wir sprachen mit dem Architekten Kilian Kada über das von ihm entworfene Haus.

Die Stadt Kassel hat der Architekt Kilian Kada seit seiner Jugend nicht vergessen. Mit seiner Familie besuchte der Österreicher einst die documenta. In Erinnerung blieben ihm unter anderem die vielen Grünflächen wie der Weinberg, auf dem sein Aachener Büro kadawittfeldarchitektur die Grimmwelt geplant hat, die am 4. September eröffnet wird. Wir sprachen mit dem 39-Jährigen.

Herr Kada, bei dem Architekturwettbewerb um die Grimmwelt hatte Ihr Büro zunächst nur den zweiten Platz hinter dem Entwurf des Kasseler Architekten Tore Pape belegt. Ist Ihr Bau nun erste Wahl?

Kilian Kada: Unbedingt! Schon vor dem Wettbewerb stand fest, dass die drei ersten Teilnehmer nach der ersten Runde, in der die Entwürfe anonym bewertet wurden, ihre Arbeiten noch einmal vorstellen können. In dieser zweiten Phase wurde etwa auch berücksichtigt, ob die Projekte im Zeit- und Kostenrahmen realisierbar sind. Da hat sich unser Entwurf durchgesetzt, weil die atmosphärischen Qualitäten erkannt wurden - die Art und Weise, wie wir dem Ort gerecht werden.

Für Sie ist Architektur mehr als nur Technik.

Kilian: Ja, in Deutschland wird Architektur zunehmend nur noch als Ingenieursleistung verstanden. Nach unserem Verständnis sollte Architektur jedoch darüber hinausgehen. Ein Bau sollte in einen Dialog mit dem Ort treten. Der Weinberg ist ein kulturell wichtiger Ort für die Stadt. Das spiegelt sich in der Grimmwelt, die mit dem Weinberg zusammenwächst.

Hätte Ihr Bau nur in Kassel entstehen können?

Kada: Ja, er ist Teil des Weinbergs. Als wir den Ort zum ersten Mal besichtigten, haben wir erkannt, dass sich das Haus unbedingt in den denkmalgeschützten Park mit seinen Terrassen, Treppen und Mauerresten einfügen muss. Nun geben wir dem Park mit der großflächigen Treppenanlage und dem Dach, das man rund um die Uhr betreten kann, seine Fläche wieder zurück.

Man kann wie früher durch die Grünanlage schlendern, das Gebäude wird zur begehbaren Skulptur und zum Teil des Parks. Auch wenn man von unten auf die Mauern zufährt, sieht das Gebäude wie eine Fortführung der alten Mauerreste aus. Die Fassade aus Gauinger Travertin nimmt auf die Mauerreste der Henschel-Villa Bezug, die hier einmal stand.

Das alles ist in der Tat beeindruckend, es gibt aber auch kritische Stimmen, die von einer Festung sprechen.

Kada: Es ist erst einmal gut, wenn ein Haus eine gewisse Zeichenhaftigkeit hat. Es soll ja ein unverwechselbares Gesicht haben und neugierig machen. Wir haben uns bewusst entschieden, das Haus nicht modern aussehen zu lassen. Es sollte etwas Geheimnisvolles haben - vielleicht so wie die Märchen der Brüder Grimm.

Ihr Büro ist auch für das spektakuläre Keltenmuseum am Glauberg in der Wetterau verantwortlich. Was zeichnet Museumsneubauten heute aus?

Kada: Wichtig ist, dass Museen nicht mehr nur Kunsttempel sind, sondern sich der Bevölkerung öffnen. Ein Museum ist heute viel mehr als ein Museum. Es muss alle ansprechen - vom Kind bis zum Rentner. Darum weckt die Grimmwelt nicht nur von außen Interesse. Wenn man hineingeht, kann man schon vom Foyer aus über die Karlsaue schauen.

Das Haus ist im Split-Level-Verfahren mit versetzten Stockwerken gebaut, die die terrassierte Landschaft im Innenraum fortsetzen. Die Ausstellungsebenen mit ihren Themenschwerpunkten laden dazu ein, immer wieder neu in die Grimmwelt einzutauchen.

Zur Person

Geboren: 1975 in Leibnitz in der Steiermark als Sohn des Architekten Klaus Kada

Ausbildung: Architekturstudium in Wien und New York. Privates: Lebt mit seiner Partnerin in Aachen. Zeichnet auch Karikaturen. Die ersten veröffentlichte er schon als Teenager.

Das Foto: Zeigt Kada mit einem Modell der Grimmwelt.

Die Firma: kadawittfeldarchitektur wurde 1999 von Klaus Kada und Gerhard Wittfeld in Aachen gegründet, hat heute fast 130 Angestellte und baut auch die neue DFB-Akademie in Frankfurt.

Erste Einblicke in die Grimmwelt Kassel

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