Eine Wasserbombe für Lena

Zuschauer wählen ungewöhnlichen Elektropop-Song für Lena aus

Wenn Stefan Raab Recht hat, war es mit „Unser Song für Deutschland“ so: Es gab eine Revolution, und keiner wollte dabei sein. Auch das Finale der von Pro 7 und der ARD veranstalteten Show wollten am Freitag lediglich etwas mehr als drei Millionen Zuschauer sehen.

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Das ist ein Witz gegenüber den acht Millionen, die regelmäßig „Deutschland sucht den Superstar“ bei RTL einschalten. Musikalisch sind Macher Raab und Interpretin Lena Meyer-Landrut der Konkurrenz allerdings Lichtjahre voraus. Die Zuschauer bestimmten die Elektropop-Nummer „Taken By A Stranger“ zum Finallied für den Eurovision Song Contest am 14. Mai in Düsseldorf.

79 Prozent sprachen sich für den Song mit dem minimalistischen Beat aus der Feder von Gus Seyffert, Nicole Morier und Monica Birkenes aus.

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21 Prozent waren für die Ballade „Push Forward“ der jungen Berliner Songschreiber Daniel Schaub und Pär Lammers. Damit gewann auch Raabs Favorit. Lenas Entdecker verglich das Stück mit einer Wasserbombe, die man in eine Oma-Bridge-Runde wirft. Die Autoren, die in Los Angeles und London leben, haben den elektronischen 80er-Jahre-Sound auf faszinierende Weise modernisiert. Ihr „Taken By A Stranger“ handelt von einem Fremden, zu dem man sich hingezogen fühlt. Es ist also der ideale Song für Lena, die wir wegen ihrer natürlichen Art vor einem Jahr in unser Herz geschlossen haben, die uns mit ihren Macken gleichzeitig aber auch fremd geblieben ist.

Im auf mehr als zwei Stunden gestreckten Finale hatte sie sichtlich Spaß an dem Stück. Jurorin Barbara Schöneberger hatte den Eindruck, dass sie gleich durchknallt - und das war als Lob gemeint.

Ihr Kollege Adel Tawil (Ich + Ich) urteilte, „Taken By A Stranger“ sei von einem anderen Stern: „Das braucht Lena.“ Ob sie die dazugehörige Choreografie braucht, sei dahingestellt. Die Tänzer trugen hautenge Kostüme, die Raab an Rennrodler und Woody Allen im Spermienkostüm erinnerten.

Lena hatte schon vorher in einem von unzähligen redundanten Einspielerfilmen prophezeit, das Lied werde entweder „hü oder hott“ machen. Derzeit sieht es eher nach hü aus. Nach den enthusiastischen Reaktionen des Studiopublikums darf man darauf schließen, dass die Deutschen, die von Casting-Stars sonst belanglose Hausmannskost gewohnt sind, das Lied lieben werden.

Zwischendurch präsentierten die Moderatoren Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich die Grand-Prix-Konkurrenz aus Norwegen, Irland und den Niederlanden. Gegen die unfreiwillig komischen Beiträge zwischen billigem Ethno-Pop und Schwulen-Karneval ist „Taken By A Stranger“ für den Song Contest tatsächlich eine Revolution.

Von Matthias Lohr

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