Ein Arschloch zum Verlieben: „Ekel Alfred" in der Komödie

Sieht aus wie ein Hitlergruß mit Hundefutter: Alfred Tetzlaff (Marcus Rudolph) mit seiner Frau Else (von links, Astrid Schulz), der Nachbarin (Vanessa Daun) und Tochter Rita (Denise Kiesow). Foto: Fischer

Kassel. In den Siebigern war die TV-Serie "Ekel Alfred" kult. Nun kehrt sie auf die Bühne der Kasseler Komödie zurück. Den Machern ist eine wunderbare Hommage gelungen.

In Kassel gibt es ein Museum für die Kultur des Sterbens, eines für die Grimms und jetzt auch eines für jüngere deutsche Geschichte. Es heißt Komödie und sieht immer noch aus wie das Boulevardtheater in der Friedrich-Ebert-Straße. Nun aber wird dort „Ekel Alfred 2“ gespielt, eine Hommage an die legendäre TV-Serie von Wolfgang Menge aus den 70er-Jahren.

Bei der Premiere am Donnerstag wurde viel gelacht, wie es sich für eine Komödie gehört. Zugleich aber erfährt man in den beiden Sketchen „Sittenstrolch“ und „Urlaubsvorbereitung“ mehr über die deutschen Siebziger als aus so manchem Geschichtsbuch. Regisseur Erik Voß bringt die Stücke originalgetreu auf die Bühne. Und Marcus Rudolph spielt die Titelrolle so kongenial wie schon beim ersten Teil, der vor drei Jahren erfolgreich lief.

Sein Alfred Tetzlaff, man kann es nicht anders sagen, ist ein reaktionäres Arschloch. Erfinder Menge hielt ihn sogar für einen kleinen Hitler. Seine Frau Else (Astrid Schulz) beschimpft er als „dusselige Kuh“ und die „Sozis“ sind entweder für den bevorstehenden Weltuntergang verantwortlich oder zumindest dafür, dass es bald Pflicht wird, nackt in die Familiensauna zu gehen.

In „Sittenstrolch“ geht es nicht nur um das aufgeheizte politische Klima, sondern auch um die Sexualmoral. Ein Exhibitionist sorgt in der Reihenhaussiedlung im Bochumer Stadtteil Wattenscheid für Aufsehen. Es wird eifrig denunziert, bis klar ist, dass Ekel Alfred selbst der Täter war, weil er in den Park gepinkelt hat.

So geht das immer mit dem Scheusal: Erst will Tetzlaff die Welt vor den Kommunisten retten, dann scheitert er selbst in den kleinsten Dingen. Rudolph hat die Folgen mit Heinz Schubert in der Titelrolle unzählige Male gesehen. Er spricht wie das Original, er sieht aus wie das Original, er schwitzt sogar wie das Original. Auch die krächzende Schulz als Else ist eine Idealbesetzung. Timo Riegelsberger, Denise Kiesow und Vanessa Daun überzeugen ebenfalls.

Und das von Komödienleiter Knut Schakinnis entworfene Bühnenbild mit Blumentapete und Original-Neckermann-Werbung sieht aus wie ein Museum der Siebziger. Alles zusammen ergibt eine wunderbare Verbeugung vor dem Original - mit Sätzen, die sich heute nicht einmal CSU-Politiker zu sagen wagen.

"Ekel Alfred 2" in der Komödie Kassel feiert Premiere

In „Urlaubsvorbereitung“ sucht Ekel Alfred mit seiner Familie eine Alternative zum Ferienziel im Harz. Das ist nicht einfach, weil die Italiener Ungeziefer mit sich schleppen, Jugoslawien kommunistisch ist und Afrika „voll mit Negern“. Solche Märchen gehören auf den Friedhof der Geschichte - oder als Lachnummer in die Komödie.

„Ekel Alfred 2“. Nächste Aufführung in der Komödie, Friedrich-Ebert-Straße 39: heute und 18. September (jeweils 20 Uhr), 19. September (17 und 20 Uhr), 20. September (18 Uhr). Karten: 0561/18383.

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