Erster Comic ohne Erfinder Uderzo

Auf zu den Schotten! So ist der neue Asterix-Band

Neue Macher, alter Stil: Mit „Asterix bei den Pikten“ kommt der 35. Band der Erfolgsreihe rund um das wehrhafte gallische Dorf auf den Markt. HNA-Redakteurin Bettina Fraschke hat den neuen Band schon gelesen - und findet: Inhaltlich macht der neue Asterix viel Spaß.

Im Kilt: Asterix (links) und sein Kumpel Obelix mit Hund Idefix.

Ein geschwätziges Völkchen sind diese Schotten im neuen Asterix-Band. Wenn sie ihre Frauen umschwärmen, scheinen sich die Comicsprechblasen ins XL-Format auszudehnen, um all die werbenden Vokabeln unterzubringen. Selbst ihre Sprachstörungen klingen wie ein Radio beim Sendersuchlauf. Bisweilen rutscht nämlich der gutaussehende junge Krieger Mac Aphon in einen Stimmbanderstarrungszustand hinein - Folge einer Erfrierungsphase, während der er in einem Eisklotz durch die Meere bis zum Strand des berühmten unbeugsamen gallischen Dorfs gereist ist. Dann kommen aus seinem Mund nur noch Liedzeilen von Bee Gees bis Beatles: „Obladi Oblada!“

Asterix in Zahlen

- Erstes Erscheinen: 29. Oktober 1959 in dem Magazin Pilote.

- Erstes Album: Astérix le Gaulois (Asterix der Gallier) im Jahr 1961 - Auflage: 6000 Exemplare.

- Weltweit wurden 350 Millionen Alben verkauft. „Asterix bei den Pikten“ ist das 35. Abenteuer.

- Es gibt 110 Übersetzungen, acht Trick-, vier Realfilme. Themenpark: Le Parc Astérix.

Nagelprobe bestanden, kann man als Fazit zum heute erscheinenden neuen Asterix-Band „Asterix bei den Pikten“ sagen, mit dem sich erstmals ein neues Zeichner- und Texterduo an den Abenteuern des legendären gallischen Helden probiert. Pikten ist der römische Name für die Schotten. Der Band ist gelungen. Allerdings wird auch deutlich spürbar, dass Zeichner Didier Conrad und Texter Jean-Yves Ferri sich an enge Vorgaben zu halten hatten. Auf den ersten Blick wird bei der Gestaltung der bekannten Helden kaum ein Unterschied zu Albert Uderzos legendärem Strich sichtbar.

Hier sollte bruchlos an die seit 1959 bestehende Tradition angeknüpft werden, als Texter René Goscinny und Zeichner Uderzo die Figuren entwickelten. Das ist für den Einstand sicher eine richtige Strategie. Auf manchen Zeichnungen ist allerdings etwas die Tiefe, der räumliche Eindruck verloren gegangen, die Bilder wirken flächiger als früher - und nicht nur da, wo sich bei einem Wutanfall von Obelix der Hintergrund monochrom rot verfärbt.

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Inhaltlich macht der Band viel Spaß, neben einer hübsch entwickelten Geschichte von der großen Abenteuerreise von Asterix und Obelix zu den poetischen Pikten, werden die Ingredienzen jedes klassischen Gallierbandes wohldosiert verabreicht. Obelix will nicht dick genannt werden, er ist verblüfft, dass Barden anderswo nicht andauernd zusammengeschlagen werden, die römische Armee besteht aus rechten Waschlappen. Mit Namen werden Spielereien getrieben, der Volkszählungsbeauftragte heißt Publius Plusminus und bei den Pikten gibt es so illustre Gestalten wie König Mac Nifizenz und Mac Ymesserh.

Conrad und Ferri setzen auf eine überbordende Detailfülle, die mit den besten Bänden aus der Goscinny- und Uderzo-Tradition mithalten kann. Bis hin zu einer Tauchaktion im schottischen Loch, die – Achtung Kalauer – im Piktogrammstil gezeichnet ist, und zu liebevollen Mini-Nebenszenen wie die von dem verdatterten Auerhahn, der ganz blass um den Schnabel wird, als die vereinten Schottenclans seinen Balzruf zu ihrem Schlachtschrei machen: „Twickle Doo Doo!“ (fra)

Asterix bei den Pikten, Ehapa, 48 Seiten, 6,50 Euro, Wertung: Vier von fünf Sternen.

Hintergrund: Das neue Asterix-Team

„Ich habe mich an die Asterix-Bände gehalten, die ich am besten fand“, sagte Jean-Yves Ferri. Er ist der neue Texter für Asterix und zusammen mit dem Zeichner Didier Conrad Schöpfer des neuen Comic-Bandes. Asterix-Erfinder Albert Uderzo (86) hatte das Team mit ausgesucht, sich aber inhaltlich nicht eingemischt. Ferri (54) wurde im selben Jahr geboren wie die Comicfigur: 1959, und gestaltet schon sein ganzes Leben Comics. Er lebt in den Pyrenäen. Conrad (54) kommt aus Marseille und lebt in den USA, von ihm stammt unter anderem „Marsu Kids“.

Rubriklistenbild: © Les Éditions Albert René / 2013

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