Neu im Kino: „Breaking Dawn“ - Immer kruder wird die Vampirsaga „Twilight“

Sex ist auch keine Lösung

Eine Nacht voll Leidenschaft: Edward (Robert Pattinson) und Bella (Kristen Stewart) dürfen endlich miteinander ins Bett. Foto:  dpa

Das Bettgestell ist zerborsten. Die Kissen zerrissen. Federn fliegen durch die Luft. Bella (Kristen Stewart) blickt versonnen in den Morgen und streicht über die blauen Flecke, die die Nacht der Nächte, auf ihrem Körper hinterlassen hat. Wie lange hat sie und mit ihr Millionen von „Twilight“-Fans auf diesen Moment gewartet?

Über drei Jahre hinweg war die Sehnsucht die treibende Kraft in den Verfilmungen von Stephenie Meyers „Twilight“-Romanen. Aber nun in „Breaking Dawn“, der vierten und vorletzten Folge, geben sich Bella und ihr Vampir Edward (Robert Pattinson) vor dem Traualtar endlich das Ja-Wort.

Vor der Hochzeit waren nur heiße Küsse erlaubt. Schließlich ist der schöne Untote ein Kavalier der alten Schule und Romanautorin Stephenie Meyers eine Mormonin. Zur Hochzeitsreise geht es auf eine Insel, aber im luxuriösen Schlafgemach schwenkt die Kamera schon nach einigen verschämten Blicken auf nackte Hautpartien ab und springt zum „Morgen danach“.

Schon bald stellt Bella fest, dass sie von ihrem Vampirgatten schwanger ist. Die untote Verwandtschaft schüttelt den Kopf und weiß auch nicht, was genau da in Bellas Bauch so rasant heranwächst und ihr sichtbar alle Lebenssäfte raubt. Ein Hauch von „Rosemarys Baby“ weht durch „Breaking Dawn“, wo der erste Sex gnadenlos mit einer Horror-Schwangerschaft abgestraft wird und die Gebärende nur durch einen zünftigen Vampirbiss vor dem Tod bewahrt werden kann.

Äußerst krude kulminiert in Meyers letzten Roman die sexualfeindliche Haltung der Autorin, die bisher als Sehnsuchtsverstärker durchaus zweckdienlich war, nun aber deutlich aus dem Ruder läuft. Regisseur Bill Condon hat sichtlich alle Hände voll damit zu tun, Meyers Bestrafungsexzesse, die sich in einer drastischen Gebärszene entladen, ein wenig zu entschärfen.

An dem religiös verbrämten Grundkonstrukt können jedoch alle Abmilderungsversuche nichts ändern. Mit brachialer Gewalt wird Bella in „Breaking Dawn“ aus dem romantischen Paradies der Kindheit in die Erwachsenenwelt vertrieben, opfert als werdende Mutter ihr menschliches Dasein, liegt wie eine Heiligenfigur auf dem Operationstisch, bis sie schließlich als Vampir die Augen aufschlägt - und die willigen Fans ein weiteres Jahr auf den letzten Teil des Finales warten lässt.

Genre: Romanze

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!:::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.