Der 18-jährige Artur Haas tritt mit der Ballettschule Dushevin im Opernhaus auf

Auch Männer tanzen

Tanzt am Samstag den Graf Albrecht im Ballett „Giselle“: Artur Haas aus Kassel. Fotos: Koch

Kassel. Valery Dushevin hat in St. Petersburg unter Boris Eifmann in einer großen Kompanie getanzt, er war Solotänzer in Warschau, aber manchmal ist er etwas neidisch auf seinen 18 Jahre alten Schüler Artur Haas. „Er ist fünf Zentimeter größer als ich“, sagt der 42-Jährige, der mit 1,80 Meter fast schon zu klein ist für einen großen Tänzer.

Wenn Dushevin über Haas spricht, schwärmt er von dessen langen Armen und Beinen, mit denen er bei Sprüngen Linien in die Luft malt. Haas hat viel Talent, was er am Samstag als Graf Albrecht im Ballett „Giselle“ im Kasseler Staatstheater zeigen will. In der Choerografie von Valery Dushevin und seiner Frau Jana Dushevina, die seit neun Jahren die Ballettschule Dushevin führen, tanzen 60 Darsteller - Haas ist der einzige männliche Schüler.

Dass Mädchen Fußball spielen, ist längst normal, umgekehrt ist die Emanzipation nicht so einfach. Unter den 140 Schülern bei Dushevin gibt es außer Haas keinen einzigen Jungen. „Meistens fragen die Leute, ob ich schwul bin“, sagt Haas, dessen Tanzkarriere mit fünf Jahren in einer Ballettschule begann. Ein Jahr später übte er außerdem Standardtänze, seit neun Jahren wird er vom Ehepaar Dushevin ausgebildet. Als er zwischenzeitlich mit seiner Familie nach Frankfurt zog, setzte er sich jeden Freitag nach der Schule in den Zug, um in Kassel zu trainieren.

„Er ist so fanatisch wie ich früher“, sagt Dushevin über seinen Schüler, der die 12. Klasse der Albert-Schweitzer-Schule besucht und trotz allen Eifers Realist geblieben ist: Weil Tanz als Beruf kein Zuckerschlecken ist, liebäugelt er mit einer Bankausbildung. Ballett allein reicht Haas allerdings nicht mehr. Als Mitglied der Gruppe „So What“ tanzt er auch zu HipHop. Davon profitiert er als Balletttänzer, meint Haas: „Ich tanze jetzt aggressiver.“

Freitagabends in der Disco hingegen verzichtet er auf Soli - die große Show mag er nicht. Und trotzdem ist es „bei Mädchen ein Vorteil, Tänzer zu sein“ wie er festgestellt hat. Wenn er sich geschmeidig auf dem Dancefloor bewegt, werden wahrscheinlich sogar die Jungs, die nur Fußball spielen, ein bisschen neidisch auf Artur Haas.

Giselle, Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus. Karten: 0561/1094-222.

Von Matthias Lohr

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